Rente mit 60

Hollande löst sein erstes Versprechen ein

Nach dem Wahlkampf löst Frankreichs Präsident Hollande erste Versprechen ein: Das Rentenalter wird wieder auf 60 gesenkt. Was fantastisch klingt, ist jedoch nur eine symbolische Maßnahme für gerade mal 110.000 Franzosen.
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Frankreichs Präsident Francois Hollande. Quelle: Reuters

Frankreichs Präsident Francois Hollande.

(Foto: Reuters)

ParisEs klingt aus deutscher Sicht ein wenig wie das sprichwörtliche „Leben wie Gott in Frankreich“: Der Ruhestand mit 60 Jahren, und das ohne Abschläge! Während in Deutschland die Debatte in eine völlig andere Richtung geht, hat die Regierung des neuen sozialistischen Präsidenten François Hollande genau das am Mittwoch beschlossen. Einen Monat nach seiner Wahl hat er damit eines seiner Versprechen eingelöst. Doch was so unglaublich klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symbolischer Schritt, der gerade mal 110 000 Franzosen zugutekommen dürfte. „Ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber das löst noch nicht alle Probleme“, brachte es Gewerkschaftschef Luc Bérille auf den Punkt.

Denn angesichts einer hohen Staatsverschuldung ist der Spielraum für soziale Wohltaten auch für Hollande eng begrenzt. Das auf dem Bodensatz der leeren Staatskassen zusammengekratzte Geld reicht gerade aus, um diejenigen mit 60 in Rente zu schicken, die bereits mit 18 oder 19 Jahren zu arbeiten begonnen haben. Genauer: Die damit die notwendige Beitragszeit erreicht haben. Denn nur wer mindestens 41 Jahre eingezahlt hat, kommt in den Genuss des frühen Ruhestands. Hollandes abgewählter Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte Ende 2010 bei der Heraufsetzung des gesetzlichen Mindest-Rentenalters von 60 auf 62 Jahre die Anhebung der Beitragszeit auf 41,5 Jahre beschlossen.

Wer weniger hat, weil er erst später ins Berufsleben eingestiegen ist, arbeitet eben entsprechend länger. In der Realität sieht es daher so aus, dass die „Rente mit 60“ künftig für viele Franzosen ein Traum sein wird - weil sie einfach noch nicht genügend Beiträge eingezahlt haben. Hollande, der wegen seiner Zusagen bei der Reduzierung der Staatsverschuldung keinen großen Handlungsspielraum hat, übt sich auch mit Blick auf die Parlamentswahl in einer Woche in symbolischen Trippelschritten. Wie auch bereits die Kürzung der Ministergehälter sind es Akzente, die das Wohlgefühl aufrechterhalten und seinen Sozialisten die erhoffte Mehrheit in der Nationalversammlung bescheren sollen.

Doch Hollandes Allianzpartner werden bereits ungeduldig. „Wir werden uns mit symbolischen Aktionen nicht allzu lange halten“, zitierte die Zeitung „Le Parisien“ am Mittwoch den kommunistischen Politiker Pierre Laurent. Das Blatt rechnete vor, dass in Frankreich zur Zeit statistisch gesehen gerade mal 1,8 Beitragszahler einen Rentner finanzieren - 1960 waren es noch vier. Und jährlich verstärken zwischen 500 000 und 700 000 weitere Franzosen die etwa 16 Millionen Rentner in Deutschlands wichtigstem Nachbarland.

Dennoch beschwichtigte die neue Pariser Regierung am Mittwoch, dass die Ausgaben weitaus niedriger ausgefallen seien als erwartet. Die defizitäre Rentenkasse soll durch die neuen Belastungen von 1,1 Milliarden Euro im kommenden jahr dank moderater Beitragserhöhungen kaum belastet werden. Bis zum Jahr 2017 sollen die jährlichen Kosten dann auf bis 3 Milliarden steigen.

  • dpa
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27 Kommentare zu "Rente mit 60: Hollande löst sein erstes Versprechen ein"

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  • Genau und zwar vor Neid. Wie dürfen uns hier für Merkels Schulden abrackern bis 67 und der Franzose freut sich auf sein Boule und lacht uns dumme Untertanen aus.

  • Und wer soll das finanzieren? Frankreich durch Erhöhung seiner Schulden. Und die Schulden finanzieren die EU-Länder Deutschland, Niederlande, Finnland! Wie seriös ist das denn?

  • Das ist eben genau die Frage. Wer sind eigentlich die Schlaueren. Die Deutschen, immer fleißig bis zur Selbstaufopferung oder "die" Südländer, die es etwas relaxter angehen.
    Die Lebenserwartung in Deutschland beträgt 79,8 Jahre und in Frankreich 81,1 Jahre. Es könnte am Wein liegen oder eben auch an der Einstellung zur Arbeit!

  • Die Franzosen haben auch mehr Kinder bekommen als wir. Französinnen bekommen 2,02 Kinder, Deutsche Frauen 1,39 (Stand 2010). Langfristig heißt das, Deutschland stirbt aus und Frankreich rules!
    Also gleich zur Tat schreiten, noch ist Deutschland nicht verloren!

  • Naja, Frankreich finanziert sich selbst.

  • Das schlägt dem Faß den Boden aus.

    Und dann nach dt. Geld schreien.

    Kein einziger Euro darf die Landesgrenze mehr passieren!

  • Wir sollten nicht mit dem Finger auf die Franzosen zeigen, sondern gleiches Recht für alle einfordern. Wenn es im maroden Frankreich geht, dann muss es hier allemal auch gehen.

    Wenn einer nach 20 Dienstmonaten seinen vollen Ehrensold erhält, dann sollte dies für einen einfachen Arbeiter genauso möglich sein. Dass hier die monatlichen Beträge noch gewaltig differieren, sei mal außen vor. Es sollte der Gleichheitsgrundsatz im Vordergrund stehen.

    Dass der Arbeiter seinen Rentenanspruch über sein ganzes Arbeitsleben hinweg erwirbt, während Beamte auf Basis ihrer letzten 3 Jahre Pensionen beziehen ist auch eine Tatsache, die man sehr biegen muss - wenn es überhaupt möglich sein kann -, bis man hier einen Gleichheitsgrundsatz erkennen kann. Das muss dann schon da herzuleiten sein, wo der eine, der einzahlt ohnehin der dümmere sein muss, und der andere ohnehin nichts einzahlt.

    Ein Schelm, der da glaubt, dass dies mit der Zusammensetzung unseres Parlaments zu tun hat.

  • Gerade mal 110000? Nehmen wir mal eine durchschnittliche Rente von 2000 Euro an.

    110000 x 2000 x 24 = 5,28 Milliarden

  • Mit 60 in Rente ist doch in Ordnung.

    1. Die französischen Rentner haben weniger Abschläge und erhalten somit eine höhere Rente ausbezahlt.
    2. Mehr junge Menschen können dafür den freigewordenen Arbeitsplatz übernehmen, wenn es diesen Arbeitsplatz noch gibt.

    Der Beschluss Rente mit 60 zeigt klar, dass die Länder ihre eigenen Souveränitäten nicht aufgeben werden. Was wiederum bedeutet, die Grundvoraussetzungen für die Rettungsschirme sind negiert.

    In Deutschland hingegen wurde die Rente auf 67 angehoben, um damit eine Rentenkürzung vorzunehmen.
    Viele Arbeiter müssen aus gesundheitlichen Gründen vor 60 in Rente gehen. Die Abschläge sind gewaltig.

  • Richtig so!

    Der Franzose lässt sich halt nicht so versklaven, wie der deutsche Michel.


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