Renzi-Comeback in Italien
„Vorwärts, zusammen, Matteo“

Seit Monaten war er ohne Amt und ohne Mandat. Doch jetzt hat Matteo Renzi wieder eine Spitzenposition in der Politik: Der Ex-Premier gewinnt die Wahl zum Parteivorsitzenden der PD. Doch das soll nur der Anfang sein.
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RomMatteo Renzi drängt zurück auf die politische Bühne: Rund 70 Prozent der Italiener, die an den Primaries der Regierungspartei PD teilnahmen, wählten den Ex-Premier erneut zum Parteivorsitzenden mit einer Amtszeit von vier Jahren. Die Wahlbeteiligung habe zwischen 1,8 und 1,9 Millionen Menschen gelegen, sagte Parteisprecher Matteo Richetti am Montag morgen.

Die 405.000 eingeschriebenen Parteimitglieder der PD hatten schon Anfang April mit 66 Prozent für Renzi gestimmt. Die Partei hat aber zusätzliche Wahlen für alle nach dem US-System der Primaries eingeführt. Abstimmen konnte jeder, der sich registrieren ließ, über 16 war und zwei Euro zahlte. An den in ganz Italien aufgestellten Pavillons herrschte großer Andrang.

„Eine außerordentliche Verantwortung! Ich danke allen von Herzen, die an Italien glauben. Vorwärts, zusammen, Matteo“, twitterte der 42-Jährige, der im Dezember nach dem Scheitern des Verfassungsreferendums als Premier zurückgetreten war und Anfang Februar auch als Parteivorsitzender. Mit dem deutlichen Sieg gegen seine beiden Gegenkandidaten und dem Mandat seiner Wähler ist Renzi damit seinem politischen Comeback einen Schritt nähergekommen.

Als Parteivorsitzender ist er automatisch Spitzenkandidat bei den nächsten Wahlen. Es gibt aber zwei Probleme für ihn: einmal das Datum für Neuwahlen und dann die Wahl möglicher Koalitionspartner. Denn die PD wird nach Umfragen der Meinungsforschungsinstitute allein nicht regieren können. Im Moment liegt sogar die Protestpartei „Movimento 5 Stelle“ vor der PD.

Immer wieder hat Renzi, dem es gefällt, mit dem französischen Präsidentschaftsanwärter Emanuel Macron verglichen zu werden, in den vergangenen Wochen in Interviews betont, dass es so bald wie möglich Neuwahlen geben sollte. Er will den Bonus ausschöpfen, den er noch hat. Vor zwei Jahren holte er bei der Europawahl 40 Prozent für die PD – das sei aber ein einmaliger Ausrutscher nach oben gewesen, wie Parteiforscher meinen.

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