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Addio Cavaliere

Europas Christdemokraten feiern in Rom Geburtstag – und geraten unversehens in die Wahlkampf-Tiraden des Silvio Berlusconi.

ROM. Als Silvio Berlusconi mit raumgreifenden Schritten das Rednerpult verlässt, ist der Beifall spärlich. Nur hartgesottene Anhänger applaudieren dem Regierungschef, der das aus ganz Europa angereiste Publikum soeben 20 Minuten lang über den heimischen Wahlkampf aufgeklärt hat.

Wahlkampf in Italien: Das ist für Berlusconi eine heldenhafte Schlacht gegen den Kommunismus, „die brutalste und kriminellste politische Abart, die die Menschheit je kennen gelernt hat“.

Derartige Geschichtsdeutungen befremden selbst den gutmütigen Hans-Gert Pöttering. Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament nennt Berlusconi zwar höflich einen „Freund“. Aber nach der Tirade des Italieners gegen „die Linke“, also gegen alle, die nicht seiner eigenen Mitte-rechts-Koalition angehören, bekommt Pöttering kaum die Hände zusammen.

Die EVP ist in dieser Woche nach Rom gereist, um sich selbst zu feiern. Vor 30 Jahren gründeten Europas Christdemokraten eine grenzübergreifende Parteienfamilie. Jetzt erwarten 400 Delegierte vom amtierenden Premier Italiens eine Schlüsselrede über die Bedeutung christdemokratischer Ideale beim Aufbau Europas. Stattdessen beschert Berlusconi den Gästen eine von glasklaren Feindbildern geprägte Wahlkampfshow. Italien wählt in zwei Wochen ein neues Parlament, und der Premier liegt in den Umfragen knapp hinter seinem Herausforderer Romano Prodi zurück. Da zählt jedes Fernsehbild, jedes von den Zeitungen gedruckte Zitat.

So drängt sich der Hausherr in den Vordergrund, ganz so, als sei er es, der in der Stadt am Tiber von Europas Christdemokraten gefeiert werden soll. Selbst bei der Papst-Audienz, die Benedikt XVI. heute den EVP-Oberen gewährt, wollte Berlusconi dabei sein. Doch der Vatikan lehnte ab, gönnte dem Medienprofi nicht den gemeinsamen Auftritt mit dem Heiligen Vater.

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