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Irak: Ein Land, zwei Welten

Sechs Jahre nach dem Krieg bleibt der Irak geteilt. In Bagdad regiert noch immer die Angst, Sicherheit für die Menschen gibt es nicht. Nur der kurdische Norden investiert in die Zukunft - mit prominenter deutscher Hilfe.

ERBIL. Es ist dunkel in Bagdad, und es herrscht fast völlige Stille im Garten des Hotels Al-Raschid. Frank-Walter Steinmeier hält ein Mikrofon in der Hand und wartet auf seinen Einsatz. Live-Schaltung mit dem Außenminister und Kanzlerkandidaten zur ARD nach Hamburg. Plötzlich ertönt Maschinengewehr-Feuer. Ein kurzer Moment der Unsicherheit, die Bodyguards blicken sich um. Dann zieht die Mitarbeiterin der türkischen TV-Übertragungsgesellschaft mit hochrotem Gesicht ihr Handy hervor und knipst es aus. MG-Lärm als Klingelton - mancherorts ein Gag, nicht so in Bagdad. Steinmeiers Sicherheitseskorte, zwei Männer vom BKA, entspannt sich wieder.

Einen Tag später, dasselbe Land, eine andere Stadt - und eine andere Welt. Steinmeiers Bundeswehr-Transall landet in Erbil im Nordirak, dem Zentrum der von den Kurden dominierten Region. "Die Schutzweste brauchen Sie hier wirklich nicht", sagt Alaa Al-Hashimy, Iraks Botschafter in Deutschland zu seinem Gast. Der sieht eine ganz normale Stadt, die an ihrer Zukunft arbeitet. Kurz hinter dem Flughafen erstrecken sich große Neubaugebiete, die Stadt mit knapp einer Million Einwohner boomt.

Sechs Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen im Irak zerfällt das Land in zwei Teile. Seit sich die Amerikaner Mann für Mann zurückziehen und die politische Verantwortung den Irakern überlassen haben, ist der Irak zwar sicherer geworden. In Bagdad oder Falludscha jedoch erstickt Gewalt nach wie vor viele Versuche, das unter Diktator Saddam Hussein heruntergewirtschaftete und dann vom Krieg vollends verheerte Land wiederherzustellen. Im Norden dagegen preisen die Kurden ihr Einflussgebiet schon als "Dubai des Iraks", auch wenn das etwas hochtrabend klingt.

Ein Gast in Bagdad muss also manchen Kompromiss machen. Als Steinmeier auf das Rollfeld des Bagdader Flughafens tritt, trägt er keine kugelsichere Weste. Iraks Außenminister Hoschiar Zebari trägt zur Begrüßung schließlich auch nur Anzug. Und Bilder eines überängstlichen Gasts würden falsche Signale senden. Erst im gepanzerten Mercedes-Jeep der deutschen Botschaft legt Steinmeier eine Schutzweste an. Über 30 Sicherheitsbeamte schützen die kleine deutsche Delegation aus Wirtschafts- und Kulturvertretern.

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