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Viel Macht, wenige Freunde

Sechs Stunden Kreuzverhör wegen der Folterfotos: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist vom Star des Kabinetts zu einer Belastung für Präsident Bush geworden

NEW YORK. Am Ende dieses langen Tages, als Donald Rumsfeld nach fast sechs Stunden Kreuzverhör wieder in alter Form mit den Fragen der Abgeordneten jongliert, als er offenbar glaubt, er habe das Schlimmste überstanden, verschlägt es dem sonst so Wortgewaltigen noch einmal die Sprache: „Wie kann es sein, dass jemand, der so clever und detailbesessen ist wie Sie, von Januar bis Mai braucht, um uns über die schrecklichen Bilder von Abu Ghraib zu informieren?“ fragt der Kongressabgeordnete Gene Taylor aus Mississippi.

Diese Frage trifft Rumsfeld ins Mark. Seit Tagen, so wird es in Washington kolportiert, zermartert sich der Perfektionist an der Spitze des Pentagon den Kopf darüber: Warum habe ich das Unheil nicht kommen sehen, den politischen Sprengstoff von Fotos unterschätzt, auf denen grinsende amerikanische Soldaten irakische Gefangene misshandeln und demütigen?

Die Frage steht stellvertretend für viele andere, denen Rumsfeld und die Bush-Administration ratlos gegenüberstehen. Warum haben wir den Widerstand im Irak unterschätzt? Warum haben wir die Truppenstärke und den Finanzbedarf falsch eingeschätzt? Warum sind unsere Nachkriegspläne so kläglich gescheitert? Hinter der Irak-Politik von Präsident George W. Bush steht ein riesiges Fragezeichen.

Wer nach Antworten auf diese unbequemen Fragen sucht – und die Zahl der Suchenden wächst –, der landet immer wieder bei einem Namen: Donald Rumsfeld. Der 71-jährige US-Verteidigungsminister hat den Irak-Feldzug geplant, sich für den militärischen Blitzsieg feiern lassen und die Nachkriegsplanung an sich gerissen. Niemand symbolisiert das politische Scheitern der USA im Irak so sehr wie der gefallene Star im Kabinett. Vor einem Jahr noch war er der Held der Medien. Das Klatschmagazin „People“ kürte ihn zu einem der sexuell attraktivsten Männer. Jetzt steht sein Name unter einem Folterbild auf der Titelseite des renommierten britischen Magazins „Economist“. „Rumsfeld, tritt zurück“, heißt es da.

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