Reportage: Auf der Jagd nach dem Schwarzgeld

Reportage
Auf der Jagd nach dem Schwarzgeld

Die Debatte über das Steuerabkommen könnte die Erfolgsquote der Zöllner an der Schweizer Grenze steigen lassen. Viele Steuersünder werden nervös und versuchen ihr Geld zurückzuholen. Impressionen einer Fahnder-Schicht.
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Die Schatten der Schweizer Alpen hat der Eurocity 197 von Zürich nach München gerade hinter sich gelassen, ebenso den großen schwarzen Fleck des Bodensees. Unaufgeregt rattert der Zug durch die Nacht zum rettenden Ziel. Die deutsche Grenze ist passiert, München nicht mehr weit. Im grellen Licht des Großraumwaggons rutscht ein Rentner im weißen Anzug entspannt auf seinen bunt gemusterten Sitz zurück. Die Freude wird ihm bald vergehen.

Auf Männer wie ihn haben es die Zöllner Thomas Ibelshäuser und Helmut Schiller abgesehen. Reihe für Reihe gehen sie den Spätzug ab, blicken streng in die Gesichter der Reisenden. Wen sie kontrollieren, entscheiden sie per Bauchgefühl. „Nach Jahren in diesem Job hast du einen Blick für Verdächtige“, sagt Schiller.

Die beiden Zöllner sind Teil der zehnköpfigen „Kontrolleinheit 34“ in Lindau am Bodensee. Offiziell suchen sie nach unangemeldetem Bargeld, um Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche aufzudecken. Doch in Lindau, nur wenige Kilometer von den Steuerfluchtorten in der Schweiz, Österreich und Liechtenstein entfernt, sind es vor allem Steuerbetrüger, die sie enttarnen.

Die Entspannung des Rentners im weißen Anzug hat ein jähes Ende, als die beiden Zöllner ihm von der Seite ihre grünen Dienstmarken ins Gesicht halten. „Schönen guten Abend, der Zoll.“ In schwarzer Lederjacke steht Zöllner Schiller vor dem Mann, will wissen, ob der Rentner Bargeld zu verzollen habe. Damit der Rentner nachher nicht behaupten kann, die Frage nicht richtig verstanden zu haben, legt Schiller alles auch schriftlich vor. Der 68-Jährige verneint, er komme lediglich von einem Tagesausflug aus der Schweiz. Schiller wird misstrauisch, zu oft hat er solche Geschichten gehört, zu oft waren es Lügen.

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