Reportage

Das elende Erbe des Kim Jong Il

Nordkoreas verstorbener Diktator Kim Jong Il hat sein Land zu Grunde gewirtschaftet. Selbst winzige Reformen stießen bei ihm auf Argwohn. Eine Reise durch ein bitterarmes Land, dem die Perspektive fehlt.
  • Martin Benninghoff
12 Kommentare

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il tot

Nirgendwo wird der Unterschied zwischen dem verarmten Nordkorea und dem im Vergleich prosperierenden China deutlicher als an der Grenze beider Staaten. Die futuristische Skyline der chinesischen Grenzstadt Dandong glitzert in der Mittagsonne, während Nordkoreas Pendant auf der anderen Seite des Grenzflusses Yalu, Sinuiju, wie ein Gegenentwurf wirkt: Grau in Grau rahmen halbverfallene Betongebäude eine uralte Kirmes ein, die am Ufer vor sich hin gammelt. Nur ein Steinwurf voneinander entfernt, und doch erscheinen beide Länder wie zwei Welten.

„Mich erinnert Nordkorea sehr an das China Maos“, erklärt ein Geschäftsmann aus Shanghai, der im Zug von Peking nach Pjöngjang sitzt. Längst ist die Fahrt nach Nordkorea auch für Chinesen ein Trip ins realsozialistische Freilichtmuseum geworden. Das Regime um den verstorbenen Diktator Kim Jong Il wollte diese Seiten seines verarmten Landes  westlichen Ausländern am liebsten vorenthalten. Viele Besucher – erst recht Amerikaner, die nur direkt nach Pjöngjang fliegen, nicht aber den Zug nehmen dürfen – bleiben meist im „Schaufenster“ Nordkoreas, der vergleichsweise modernen Hauptstadt Pjöngjang.

Dort will sich Nordkorea im kommenden Jahr selbst feiern, wenn Kim Jong Ils Vater Kim Il Sung, laut Verfassung „ewiger Präsident“, 100 Jahre geworden wäre. Damit das Geburtstagsspektakel mit den typischen Paraden und Ausstellungen die eigene Bevölkerung überhaupt noch beeindrucken kann, braucht es Ausländer in der Stadt. Die nationale Fluggesellschaft „Air Koryo“ fliegt deshalb sogar ein paar Mal von Berlin nach Pjöngjang  – nach einem jahrelangen Verbot aus Sicherheitsgründen darf sie das mit ihren beiden neuen Tupolevs wieder.

Wer nur Pjöngjang sieht, könnte tatsächlich auf die Idee kommen, dem Land gehe es wirtschaftlich besser und die Menschen seien freier als noch vor ein paar Jahren. Im Vergleich zu früher fahren erstaunlich viele Autos auf den stalinistischen Prachtboulevards der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole. Man sieht mehr Menschen mit ihren Handys telefonieren, und auch das 337 Meter hohe „Ryugyong“-Hotel, das fast 20 Jahre lang als Bausünde die Stadt verschandelte, erstrahlt nun mit blauer gläserner Fassade.

Mit 3000 Zimmern sollte es einst das größte Hotel der Welt werden, bis dem „großen Führer“ 1991 das Geld ausging. Nun investiert die ägyptische Holding Orascom in den Weiterbau, die dafür die Erlaubnis von Kim Jong Il bekommen hat, das Handynetz „Koryolink“ aufzubauen und zu betreiben. Handys sind die absolute Neuheit auf Pjöngjangs Straßen und sicher auch ein Privileg der Mittelschicht, die der renommierte Korea-Forscher Rüdiger Frank von der Universität Wien auf eine halbe Million Menschen schätzt.

An den Bushaltestellen kleben sogar Werbeplakate, wo vorher nur Propagandasprüche standen. Nach Angaben Orascoms sind mehr als 430.000 Handyverträge verkauft worden – jetzt peilt das Unternehmen die Millionengrenze an.

Planwirtschaftliche Reformen
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12 Kommentare zu "Reportage: Das elende Erbe des Kim Jong Il"

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  • @peer: Der letzte Satz ist einfach super....!weiter so..

  • Grauenhaft, wie Land absinken kann, was von der großen Schwester nicht aufgefangen wurde. Denn auch Nord- und Südkorea waren kurz vor der Wiedervereinigung. Aber als die Südkoreaner gesehen haben, wie schwer das in Deutschland wurde, haben sie sich schnell wieder zurück gezogen.

    Uns sollte es aber aufzeigen,was aus der DDR ohne uns gworden wäre.

  • Da muß man sich gar nicht aufregen. Der Silvercoiner hat irgendwas Falsches geraucht.

  • gehört zu @FredEricPorschee und silvercoin82

  • Ich als "Bildzeitungsniveuler" möchte auch gern dem Philosophischen Schmalspurzwergerl-Verein e.V. beitreten.
    Wo kann man sich anmelden ?

  • Kurzumfrage: Machtwechsel in Nordkorea: Wende zum Besseren?

    Über diesen Link geht es zur Umfrage:

    http://graph.me/p160998016/Machtwechsel_in_Nordkorea%3A_Wende_zum_Besseren

  • @Silvercoin82
    "Aber so dreckig scheint es den Menschen dort auch wieder nicht zu gehen."
    Hin und wieder verhungern mal einige Millionen oder werden ins KZ gesperrt weil sie was falsches gesagt haben aber "Was Lebensfreude angeht, sind die Nordkoreaner mit Sicherheit uns voraus!"
    Das haben brutale Militaerdiktaturen so an sich, Lebensfreude pur. Da trauert man doch Zeiten wie Deutschland anno 1933-45 hinterher, also jetzt nur mal von der Lebensfreude her gesehen. Also nichts wie raus aus Deutschland und hin ins Paradies zum lieben Fuehrer.

  • Ihre Ansichten teile ich auch. All die polierten Fassaden hier bei uns, sind auch nicht das für das sie stehen! Prekäre Lebensumstände sind auch hier zu Hauf anzutreffen, und nur weil die Nordkoreaner kein Unterschicht-Fernsehen den ganzen Tag schauen können, heisst nicht dass sie bitterarm sind. Ich meine, wie schaut denn wahre Lebensfreude aus? Hier in unserer Gesellschaft konsumieren wir alle doch nur wie verrückt, um glücklich zu sein. Dieser Stress hat doch nicht viel mit Lebensqualität zu tun. In Nordkorea werden die Menschen was Mitbestimmung genauso verarscht, nur dass es hier nicht so offensichtlich ist.

    Und wenn ich hier so die Kommentare lese, die doch stark nach Bildzeitungsniveau klingen, fühle ich mich bestätigt! Die hiesige Bevölkerung denkt doch garnicht mehr selbstständig!

    Ich bin noch nie in NK gewesen, kenne nur die Propaganda unserer Medien darüber. Aber so dreckig scheint es den Menschen dort auch wieder nicht zu gehen.

    Um auch mal auf die wirtschaftlichen Fakten einzusehen: Klar kann NK mit dem Rest der Welt kaum mithalten, doch bedenke man, dass NK kaum Auslandsschulden hat und sogar deren Währung mit Gold hinterlegt sein soll. Damit kann unser auf Schulden basierendes System bei weitem nicht mithalten. Unsere geschaffenen Werte werden sich im kommenden weltweiten Währungszerfall, in nichts auflösen! Glaubt ihr Bildzeitungsniveuler hier alle eigentlich, dass dieser jahrzehntelange Aufschwung von alleine kam? Die halbe Welt hat sich bis zum Hals verschuldet, um unsere völlig überteuerten, des Sozialstaats zuzuschreibenden, Produkte zu kaufen! Des einen Schuld, des anderen "Reich". Es lässt sich endlos lang weiterdiskutieren, ob nun NK oder wir nachhaltiger sind.

    Was Lebensfreude angeht, sind die Nordkoreaner mit Sicherheit uns voraus! Oder wieso ist der Alkohol hier in Deutschland nahezu noch so billig?? ;)

  • Sollte der der Sohn tatsächlich in der CH eine Schule besucht haben, bleibt zumindest eine kleine Hoffnung dass er etwas von der CH gelernt hat und es nun einbringen kann in Nordkorea. Leider ist aber davon auszugehen dass das starke Militär im Hintergrund weiter die Fäden ziehen wird und somit die gebeutelte Bevölkerung weiter entsetzlicher Armut und Willkür ausgesetzt bleiben wird.

  • Ein Verbrecher weniger auf der Welt!

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