Reportage
Der Typ von der Navy

Über die Macht im US-Kongress entscheiden bei den Wahlen im Herbst nur eine Hand voll Wahlkreise. Angesichts der sinkenden Popularitätswerte für Präsident George W. Bush wittern die Demokraten Morgenluft – ein Besuch in Pennsylvania.

PHILADELPHIA. Als Joe Sestak Mike die Hand hinhält, schreckt der für einen Moment auf. Erstens, weil sich in der Mittagshitze die Parade der knallbunten Autos vor Mikes Auge schon zu einem trägen, farbigen Brei vermischt hat, der zum Dösen verleitet. Und zweitens, weil er sich an diesen Herrn, der sich da in gestreiftem Hemd und blauer Stoffhose vor ihm aufgebaut hat, beim besten Willen nicht erinnern kann. Als Sestak merkt, dass er den schwitzenden Mann in seinem Klappstuhl böse überrumpelt hat, hält er seine Vorstellung knapp: „Hi, I am the Navy guy“, sagt Joe Sestak nur.

Mike zieht die Augenbrauen hoch, blinzelt gegen die Sonne in Sestaks Admiralsgesicht und scheint endlich zu verstehen. Der drahtige Typ vor ihm ist Joseph A. Sestak, bis vor kurzem noch Vizeadmiral bei der Marine, nun Kandidat der Demokratischen Partei für die US-Kongresswahlen im November. Das hat Mike irgendwo schon mal gehört.

Und auch, dass Sestak eigentlich keine Chance hat. Denn er tritt hier im siebten Wahlkreis von Pennsylvania gegen Curt Weldon an. Der Republikaner ist eine Institution, der seinen Distrikt seit 20 Jahren mal mit 65, mal mit 58 Prozent der Stimmen gewinnt. Eine völlig aussichtslose Sache für Joe Sestak, scheint es. Mike drückt Joes ausgestreckte Kandidatenhand: „Yeah, good luck“, quetscht er heraus. Dann ist Sestak schon weg und kümmert sich um den nächsten Klappstuhl: „Hi, I am the Navy guy.“

Nein, keine Wahl ist mehr aussichtslos für die Demokraten – nicht in Newtown, Pennsylvania, und nicht im ganzen Land. Nicht mehr, seitdem George W. Bushs Popularitätswerte in den Keller rauschen und der US-Präsident für seine Parteifreunde zu einer wachsenden Hypothek wird.

16 Sitze von 435 müssen die Demokraten den Republikanern im Herbst abjagen, um deren Mehrheit im Repräsentantenhaus – und die „Allmacht“ der Republikaner über die wichtigsten Schaltstellen der Macht in den USA – endlich zu brechen. Hier im siebten Distrikt soll Joe Sestak den Sitz für seine Demokraten holen und einer von 16 Helden werden.

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