Reportage
Gefährliche Reise in eine bessere Zukunft

Im Nordirak stehen die Menschen Schlange, um von dubiosen Menschenhändlern für viel Geld nach Europa gebracht zu werden. Nicht jeder überlebt die Fahrt in eine bessere Zukunft.

ZAHKO. In einer kleinen, schäbigen Absteige haben sie sich getroffen, acht Männer in billigen Jogginganzügen. Jeder von ihnen hat eine kleine Umhängetasche mitgebracht, darin Unterwäsche und eine warme Jacke. Sie sitzen an einem Tisch, essen Käse, Oliven und Fladenbrot. Dazu gibt es Chai-Tee. Sie warten – auf einen Mann, der ihnen helfen soll bei ihrer Reise aus der nordirakischen Stadt Zahko in eine bessere Zukunft, in ein Land, wo sie auch ohne Job Geld bekommen und sich ihre Wünsche erfüllen können. Ein großes Auto will einer von ihnen, neue Zähne der andere. Die Männer wollen nach Deutschland. „Dort ist alles gut“, sagen sie lachend.

Jeder der acht kurdischen Männer hat für die erste Etappe dieser Reise bereits 5 000 Dollar bezahlt. Das reicht für den Transport durch die Türkei. Vor einem Jahr lag der Preis noch deutlich darunter. Inzwischen werden höhere Summen verlangt, denn immer mehr Kurden wollen nach Europa und sind bereit, die gefährliche Reise auf sich zu nehmen und einen Schleuser zu bezahlen. Das Flüchtlingshilfswerk der Uno schätzt, dass jeden Monat mehr als zweitausend Menschen aus dem Nordirak mit Hilfe der Menschenhändler nach Europa gelangen.

Der Schleuser hat den kurdischen Männern in Zahko nicht gesagt, wann genau er sie abholen wird. Er hat ihnen nur eingeschärft, sie sollen sich bereithalten und schon mal einen Satz auswendig lernen: „Ich beantrage Asyl.“ In kurdischer Schrift haben sie diese Worte auch auf einem Zettel notiert, den sie mit sich tragen.

Sie wissen um die Risiken der anstehenden Reise. Rahman, einer von ihnen hat sie schon einmal gemacht und dies fast mit seinem Leben bezahlt. „Wir fahren zuerst einmal in die Berge östlich von hier. Der Führer bringt uns in drei bis vier Nachtmärschen über die türkische Grenze“, erzählt er. Das berge ein hohes Risiko, von den türkischen Grenzsoldaten erschossen zu werden. „Die Soldaten schießen sofort auf alles, was aus dem Irak kommt.“ Denn nachts versuchten auch die Anhänger der türkisch-kurdischen Terrororganisation PKK vom Irak in die Türkei zu gelangen.

Wenn die irakischen Kurden in der Türkei sind, ist die Gefahr noch nicht vorbei. Falls sie vom Militär oder der Polizei aufgegriffen werden, kommen sie für mehrere Jahre ins Gefängnis. „In erster Linie weil wir Kurden sind“, sagen die Iraker. Bei seinem ersten Versuch, nach Europa zu kommen, kam für den 25-jährigen Rahman der gefährlichste Teil der Reise aber erst danach. Er und die anderen Flüchtlinge wurden auf einen „Seelenverkäufer“ verfrachtet, ein marodes Schiff, das nur noch für diese eine Fahrt genutzt werden sollte. 23 Kurden sollte es von einem türkischen Küstenort zu einer etwa dreißig Kilometer entfernten griechischen Insel bringen. Von dort wäre das Weiterkommen kein Problem mehr, weil Griechenland ein Schengen-Staat ist.

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