Reportage
Jede Stimme zählt – für das Regime

In Iran wird erstmals seit den massiven Fälschungen und Protesten bei der Ahmadinedschad-Wahl vor zwei Jahren wieder gewählt. Ein wichtiger Test für die Mullahs - und eine harte Nuss für westliche Wahlbeobachter.
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Die Hosseiny-e-Ershad Moschee ist mit bunten Plakaten geschmückt. Die weißen arabischen Kalligraphien auf blauen Kacheln unter der türkisfarbenen Kuppel sind verstellt mit langen blauen Holztafeln, an denen auf fünf großen Zetteln hunderte Namen stehen: Die Kandidaten für die Parlamentswahl in Teheran. Dichtgedrängt und für fast jeden sichtbar müssen die Wähler Namen von dort abschreiben und auf ihren Wahlzettel handschriftlich eintragen. Geheime Wahlen sehen anders aus. Aber wir sind in Iran.

Hier müssen die Wähler in der von mit Kalaschnikow-Maschinenpistolen bewaffneten Soldaten gesicherten Moschee nicht nur ihren Pass vorlegen und einen Fingerabdruck in das Wahlregister drücken. Viel wichtiger ist der Stempel, den jeder Wähler in seinen Pass bekommt, wenn er seinen Stimmzettel abgegeben hat. Das Regime will so möglichst viele Perser an die Urnen bekommen und der Wahlstempel im Pass ist ein probates Mittel: Wer immer auf staatliche Leistungen oder gar einen Job im öffentlichen Dienst angewiesen ist, geht am besten hin und holt sich so seine Teilnahmebescheinigung ab.

Kontrollwahn: Ein Stempel im Pass der Wähler Denn eine hohe Wahlbeteiligung ist der Legitimitäts-Test für das Mullahregime. Innenminister Mustafa Mohammad Nadjar, oberster Aufseher über die Wahl, ist denn auch sicher, dass die Wahlbeteiligung dieses Mal sogar noch höher als in früheren Jahren werde. Irans „religiöse Demokratie ist sogar ein Vorbild für die ganze Region“, sagt er, Und Ajatollah Ali Chamenei ist überzeugt, dass seine Landsleute mit einer hohen Wahlbeteiligung „der globalen Arroganz, den Kräften des Imperialismus einen Schlag ins Gesicht geben“. Er rechne mit „einer glorreichen Wahlbeteiligung“.

Die wollen die Behörden vorzeigen und so fahren sie ausländische Reporter in drei Bussen zu ausgewählten Wahllokalen. In der Hosseiny-e-Ershad Moschee sind nicht nur Plakate aufgebaut wie das durchaus doppeldeutig zu verstehende: „Ihr seht, was in Bahrain, Libyen, Ägypten und Tunesien geschehen ist. Das ist ein gutes Zeichen.“ Ob das auch zum Umsturz aufrufen soll, darf allerdings bezweifelt werden.

Kommentare zu " Reportage: Jede Stimme zählt – für das Regime"

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  • Entweder zählt jede Stimme oder die Wahl wird gefälscht. Dann kommt es doch nicht auf jede Stimme an.
    Ist dem Verfasser der Unsinn den er hier von sich gibt nicht klar? Voll unter dem Niveau des Handelsblattes, schade!

  • Noch ein Artikel gegen den Iran. Diese Hetze ist ganz übel. Sind Wahlfälschungen nachgewiesen worden? Wie sieht das denn in den "befreiten" Staaten Irak, Afghanistan, Ägypten, Libyen oder den Freunden VAR oder Saudi-Arbaien usw. aus?
    Oder was hat die Bush-Familie denn gemacht?
    Wir, der brave Westen, sollten ganz ruhig sein mit der Verurteilung anderer Staaten!

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