Republikaner hoffen jetzt auf Trendwende in der öffentlichen Meinung
Außenpolitischer Erfolg nutzt Bush auch im Wahlkampf

Es liest sich wie das Meisterstück der politischen Choreografie: George W. Bush schüttelt dem neuen irakischen Präsidenten Ghasi el Jawar die Hand. Die Führer der G7-Staaten und Russlands flankieren den US-Präsidenten beim großen Gruppenfoto, das Kriegsgegner wie Jacques Chirac und Gerhard Schröder Schulter an Schulter neben Musterverbündeten wie Tony Blair ablichtet.

SEA ISLAND. Der G8-Gipfel in Sea Island im US-Bundesstaat Georgia entwickelt sich zu einer Inszenierung der neu gewonnenen Eintracht. Das Fernsehen wird diese Szenen heute in einer wahren Bilderflut in die Wohnzimmer der amerikanischen Fernsehnation übertragen. Und das Ganze einige Tage nach dem Tod des großen Bush-Vorbildes Ronald Reagan, den die US-Medien pausenlos als Polit-Ikone würdigen: Vor wenigen Monaten hätte kaum jemand an einen derartigen Erfolg des Präsidenten geglaubt.

Bush hatte in letzter Zeit einen demoskopischen Sinkflug ohnegleichen hinter sich. Seit der Gefangennahme von Saddam Hussein im vergangenen Dezember sackte er in den Umfragen bis auf gut 40 Prozent ab. Die nicht abreißende Gewalt im Irak, der Folterskandal von Abu Ghraib und die nur halbherzige Unterstützung wichtiger Allianzpartner kratzten am Nimbus des selbst ernannten „Kriegspräsidenten“. Hinzu kamen die lauter werdenden Attacken des Herausforderers, des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers John Kerry.

Doch nun bahnt sich eine innenpolitische Trendwende an: Mit der bevorstehenden Souveränitätsübergabe im Irak sowie der neuen Uno-Resolution steht der Chef des Weißen Hauses plötzlich als Führer da, der die internationale Gemeinschaft auch in schwierigen Zeiten zusammentrommeln kann.

Auch die Initiative zum „breiteren Nahen Osten sowie Nordafrika“, die auf dem G8-Gipfel verabschiedet wird, dürfte Bush an der Heimatfront nutzen: Die Amerikaner mögen große historische Projekte wie Reagans ideologischen Feldzug gegen den Kommunismus. Die Mission einer Demokratisierung des gesamten Nahen Ostens wird von den Bush-Leuten als vergleichbares Vorhaben verkauft. „Vorwärtsstrategie der Freiheit“ heißt das im Jargon der Regierung.

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