Republikaner im Silicon Valley
Neuanfang im Feindesland

Das Silicon Valley ist voller technologiebegeisterter Menschen. Genau diese gewann Barack Obama mit seiner aktiven Nutzung neuer Medien. Nun blasen die Republikaner zum Gegenangriff: In T-Shirt statt im Maßanzug.
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New YorkEr schläft auf Parkbänken und in Obdachlosenheimen, das Essen kommt von der Foodbank. Neel Kashkari, den früheren Wall-Street-Banker und ehemaligen Fondsmanager bei Pimco, hatte es hart erwischt. Jedenfalls für eine Woche im Juli 2014: Da setzte sich der Kandidat für das Gouverneursamt von Kalifornien mit 40 Dollar in der Tasche in T-Shirt und Jeans in den Greyhound-Bus von Los Angeles nach Fresno und suchte einen Job.

„Das war eine der härtesten Wochen meines Lebens“, resümiert der 41-jährige am Ende des Selbstversuchs: „Ich kam nach Fresno in der Hoffnung auf irgendeinen Job, aber ich habe nichts gefunden. Das Geld ist mir ausgegangen und am Ende bin ich im Obdachlosenasyl gelandet.“

Neel Kashkari will der neue Typ Republikaner sein, und dafür schreckt er vor nichts zurück. Die alten Stereotypen der Partei, deren Kürzel „GOP“ heute immer seltener mit „Grand Old Party“ übersetzt wird, sondern mit „Grumpy Old People“, die Partei für die verbitterten alten (weißen) und technologiefeindlichen Leute, will er durchbrechen. Er will den Kaliforniern, die ihn am 4. November wählen sollen, zeigen, dass er sich um alle kümmert, nicht nur um die aus dem „einen Prozent“, die Superreichen.

Schafft der Sohn indischer Immigranten den Einzug ins Capitol in der Hauptstadt Sacramento, stehen alle Tore wieder offen für die konservative Partei, die den „Golden State“ an der Westküste praktisch schon aufgegeben hatte. Doch die Karten könnten neu gemischt werden.

Mit dem großen Geld in San Francisco und im Silicon Valley steigen die Chancen und die Sympathien für die konservativen Ideale der Republikaner, wenn sie denn in neuem Gewand daherkommen. Sonst bleibt die GOP die Splitterpartei in der demokratischen Hochburg Kalifornien.

Die Zeit für einen Neuanfang im Feindesland scheint reif, ist sich auch Rand Paul, Senator aus Kentucky sicher. Der Geheimfavorit für die Präsidentschaftskandidatur 2016 will „ein Büro in der San Francisco Bay-eröffnen“ erklärte er Mitte September auf einem Parteikongress in Los Angeles. Er werde „ziemlich oft“ ins Silicon Valley kommen, erklärte er dem San Francisco Chronicle. „Hier gibt es smarte Leute und wir wollen mit ihren herausfinden, wie wir die Wahl gewinnen können.“

Bislang ist ein anderer regelmäßiger Stammgast im Internet-Epizentrum: Präsident Barack Obama. Der Demokrat genoss 2008 hier eine überwältigende Zustimmung und Unterstützung, seine intensive Nutzung von Web-Technologie und Social Media, als republikanische Gegner noch im Web vor sich hin dilettierten, gilt als einer der Schlüssel zu seinem Erfolg.  2012 war die Stimmung schon etwas gedämpfter. Aber immer noch war die Unterstützung ausreichend.

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