Republikaner-Parteitag
Tea Party verzichtet auf Krawall

Mit frechen Aktionen hat sich die konservative Tea Party-Bewegung zur Größe der US-Politik entwickelt. Nach Zugeständnissen der Republikaner geht die Gruppe auf Schmusekurs mit der Partei – es gibt ein gemeinsames Ziel.
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Suchte man nach dem lebenden Klischee eines texanischen Hardliners, es würde in etwa Louie Gohnert herauskommen. Der Kongressabgeordnete aus Texas, Halbglatze, Siegelring, Cowboystiefel, lächelt zufrieden, wenn er auf den Einfluss der erzkonservativen Tea Party angesprochen wird. „Sie ist die Antwort auf viele unserer Probleme“, sagt er. Die Werte der Bewegung hätten sich in Republikanischen Partei durchgesetzt.

Gohnert steht in einer Art Zelt in der Innenstadt von Tampa, Florida. Soeben hat er einer Gruppe Tea-Party-Anhängern in einer feurigen Rede erklärt, warum Amerika dem Untergang geweiht ist, sollte der Präsident Barack Obama im November wiedergewählt werden.

Sie nennen es „Liberty Plaza“, Platz der Freiheit, aber es wirkt wie eine stumme, permanente Drohung: Seht her, wir sind da, sind etabliert, und wir passen auf. Keine 500 Meter vom Stadion Tampa Bay Times Forum entfernt, in dem die US-Republikaner ihren Parteitag feiern, hat die Tea Party eine Art Zeltstadt errichtet. Dort treffen sich die Anhänger, tragen Amerika-Flaggen, Hüte in den Nationalfarben Rot-Weiß-Blau, grillen Fleisch und hören Idolen wie Michele Bachmann oder Herman Cain zu.

Mit ihrer Wut auf den demokratischen Präsidenten, ihrem Unmut über die hohen Staatsschulden und die Milliarden, mit denen die Banken in der Krise gerettet wurden, hat es die Tea Party geschafft, zu einer einflussreichen Bewegung zu werden. Gegen das Establishment – auch gegen das der eigenen Partei. Niemand bei der Republikanern kommt mehr an der Gruppe vorbei.

Doch auf dem Parteitag ist die Stimmung umgeschlagen: weniger radikal geht es zu. Im Vordergrund steht die Einigkeit. Zwei Jahre nach den Kongresswahlen, die der Tea Party zum Durchbruch verholfen haben, geht die Bewegung auf Schmusekurs mit den Republikanern. Noch nicht einmal die Krawallmacherin Sarah Palin ist nach Tampa gekommen. „Es geht bei uns nicht mehr so aggressiv zu wie früher“, sagt Sharon Calvert, die die Tea Party in Tampa mitgegründet hat. „Wir sind dazu übergegangen, stärker mit der Partei zusammenzuarbeiten, um diese Wahl zu gewinnen.“

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Tea Party verzichtet auf Krawall

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Die Republikaner haben sich der Tea Party geöffnet

Kommentare zu " Republikaner-Parteitag: Tea Party verzichtet auf Krawall"

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  • Ron Paul ist der einzige vernünftige Politiker mit Prinzipien und ökonomischem Verständnis.

  • Was gibt es dümmeres als den Deutschen Michel? Den naiven Amerikaner!

  • Ist die Tea Party eigentlich auch gegen den überproportionalen "Verteidigungs"-Etat? Vielleicht kommen die Tea-Party-Anhänger ja irgendwann darauf, dass in den USA momentan nur Waffen und Dollars hergestellt werden und dass man damit bestimmt nicht seine Leistungsbilanz ausgleich kann.

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