Republikaner zittern vor Kongresswahlen
Sexskandal im US-Kongress

Wenige Wochen vor der Wahl sehen sich die Republikaner im amerikanischen Kongress mit einem Sexskandal konfrontiert: Die US-Bundespolizei FBI untersucht, ob der Abgeordnete Mark Foley mit seinen E-Mails an junge Schüler-Mitarbeiter gegen Gesetze verstieß.

HB WASHINGTON. Der republikanische US-Abgeordneten Mark Foley galt als ehrenwerter Mann. Sechs mal schickten die Wähler in Florida den konservativen Politiker, der sich vor allem um die Moral der Jugend sorgte, ins Repräsentantenhaus. Das Entsetzen seiner Parteifreunde konnte deshalb kaum größer sein, als bekannt wurde, dass Foley anzügliche E-Mails an junge Pagen im Kongress geschickt hat.

„Mach ich Dich ein wenig geil?“, fragte der Vorsitzende des Ausschusses für vermisste und ausgebeutete Kinder im Repräsentantenhaus nach Angaben des Fernsehsenders ABC einen Teenager. In einer anderen Botschaft erkundigte sich der grauhaarige, schlanke Abgeordnete bei einem Jungen, ob er sich von einem Mädchen habe „verwöhnen“ lassen.

In E-Mails und SMS sprach der 52 Jahre alte Volksvertreter über sexuelle Praktiken. Mehrfach forderte er laut ABC Jungen auf, sich auszuziehen.

„Einfach abscheulich“, schimpfte die demokratische Fraktionsvorsitzende Nancy Pelosi. Denn Foley scheint ein besonders drastischer Fall von Doppelmoral zu sein. Der Co-Autor eines strengen Gesetzes gegen Sex-Straftäter und gern gesehene Gast im rechtsgerichteten Fernsehsender Fox News prangerte besonders gerne Kinder-Belästigung und Kinder-Pornografie im Internet an. „Wir werden euch das Leben zur Hölle machen“, zitierte die Zeitung „USA Today“ Foley in seinem Kampf gegen Internet-Pädophile.

Zwar wirft niemand Foley vor, Jugendliche missbraucht zu haben. Es war nur bekannt, dass er sich besonders intensiv um die „Pagen“ genannten Teenager kümmerte. Seit Jahrzehnten kommen diese Praktikanten in den Kongress, um für ein paar Monate den Abgeordneten im Büro zur Seite zu stehen, Telefondienste und Botengänge zu erledigen. „Er (Foley) war einer der wenigen Abgeordneten, die sich um uns junge Leute kümmerten“, zitierte die „New York Times“ eine frühere Praktikantin, die heute 21 Jahre alte Studentin Ashley Gallo.

Foley entschuldigte sich inzwischen und erklärte, dass er sich wegen seiner schweren Alkoholprobleme in die Rehabilitation begeben werde.

Für die Republikaner könnte der Sex-Skandal, fünf Wochen vor den Kongresswahlen, kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Nach wie vor befindet sich Präsident George W. Bush - vor allem wegen des Irak-Desasters - im Popularitätstief. Der Wirtschaftsboom flaut ab.

Das Ansehen des Kongresses ist bei den Amerikanern angesichts vieler Skandale laut Umfragen hundsmiserabel. Und ein neue Buch von Bob Woodward nährt die Zweifel vieler Amerikaner an der Glaubwürdigkeit der Regierung. Die Republikaner fürchten, am 7. November ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat zu verlieren.

Besonders schlimm für die Republikaner ist der Verdacht, dass Parlamentskollegen - möglicherweise auch Parteiführer - über die fragwürdigen Aktivitäten Foleys Bescheid wussten. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, hatte zugegeben, seit einigen Monaten entsprechende Informationen gehabt zu haben - aber erst am Wochenende, nach Aufdeckung des Skandals durch den Sender ABC, trat Foley zurück und erst dann bat Hastert das Justizministerium, die Vorfälle zu untersuchen.

Demokraten, aber auch Republikaner fordern nun den Rücktritt der republikanischen Parteiführung im Repräsentantenhaus, sollte sie trotz ihres Wissens den Fall vertuscht haben. Der Sprecher der Demokraten im Senat, Harry Reid, sprach von „widerwärtigen“ Vorgängen. „Aber noch widerwärtiger ist die Möglichkeit, dass die republikanische Führung von dem Problem wusste und es ignoriert hat, um im Wahljahr einen Kongress-Sitz zu schützen.“ Angesichts der Vorwürfe hat aber nun auch das Bundeskriminalamt FBI Ermittlungen aufgenommen.

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