Rettung des Bankensektors
Russland sucht neue Strategie gegen Krise

Mitten in der Wirtschafts- und Währungskrise passt die russische Regierung ihre Strategie an und konzentriert sich nach westlichem Vorbild auf die Rettung des Bankensektors. Industrieunternehmen können dagegen nicht mehr in allen Fällen mit großzügigen Unterstützungen der Regierung rechnen.

MOSKAU/DÜSSELDORF. Im Zuge eines zweiten Bankenpakets kündigte Premier Wladimir Putin am Donnerstag eine Kapitalspritze im Volumen von elf Mrd. Dollar für Banken an, die diese als Kredite an Unternehmen und Konsumenten weitergeben sollten.

Knapp die Hälfte des Geldes geht an die VTB Group, rund 2,5 Mrd. Dollar an die staatliche Entwicklungsbank VEB. Auch die Sberbank soll zu den Empfängern gehören. Der Staat wolle keine direkte Beteiligung an Privatbanken, sagte Putin. Bislang hatte der russische Staat die Banken und Unternehmen bereits mit rund 200 Mrd. Dollar refinanziert.

Der Rubel erreichte gestern zum ersten Mal den Kurs von 41 Rubel gegenüber einem Währungskorb von Dollar und Euro, den die Zentralbank vor gut zwei Wochen als Grenze ausgegeben hatte. Allein im Januar hatte der Rubel 18 Prozent seines Außenwertes verloren. Allerdings sieht die Zentralbank nach der graduellen Abwertung in der vergangenen Woche inzwischen einen Gleichgewichtskurs erreicht: "Wir werden nicht viel Blut verspritzen müssen", um den Rubel gegen Spekulanten zu verteidigen, sagte ein Sprecher der Notenbank. Dagegen sagte der Investor Jim Rogers (Rogers Holding), nach seiner Einschätzung drohe Russland auseinanderzubrechen. Daher erwäge er, auf einen Rubelcrash zu spekulieren. Analysten hatten kritisiert, die Zentralbank finanziere mit ihren Übernachtkrediten an Geschäftsbanken selbst die spekulativen Attacken auf die Währung.

Vizepremier Igor Schuwalow hatte bei einem Treffen mit Bankern und Unternehmern angekündigt, man werde Ausgaben für Infrastrukturprogramme senken und diese dem Bankensektor zukommen lassen. Ziel der Regierung ist es, die zum Erliegen gekommene Kreditvergabe anzukurbeln. Gleichzeitig werde die Regierung strengere Kriterien bei der Hilfe für Unternehmen walten lassen, die ihre Schulden im Ausland refinanzieren müssen, sagte Schuwalow.

Die Gesamtausgaben der Regierung sollen jedoch auf dem schon im vergangenen Jahr festgelegten Niveau bleiben, kündigte Arkadij Dwarkowitsch, Wirtschaftsberater von Präsident Dmitrij Medwedjew, an. Weil die Einnahmen rasant fallen, wird Russland damit zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Etatdefizit von sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes haben.

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