Rettung oder Untergang: Das Schicksalsjahr der Griechen

Rettung oder Untergang
Das Schicksalsjahr der Griechen

Kriegt Griechenland 2012 doch noch die Kurve – oder stürzt das hoch verschuldete Land in die Staatspleite? Die Entscheidung könnte schon im ersten Quartal des neuen Jahres fallen.
  • 22

AthenEs waren ernste, ernüchternde Worte, mit denen Lucas Papademos zum Jahreswechsel vor seine Landsleute trat. Ein „sehr schwieriges Jahr“ sei zu Ende, ein weiteres „sehr schwieriges Jahr“ beginne. So stimme der griechische Ministerpräsident in seiner vom Fernsehen übertragenen Neujahrsansprache die Griechen auf weitere Opfer ein. Denn die Gefahr eines Staatsbankrotts ist nach Einschätzung des 64-jährigen parteilosen Wirtschafts- und Finanzfachmannes keineswegs gebannt.

„Wir müssen unsere Anstrengungen entschlossen fortsetzen, damit die bisher gebrachten Opfer nicht umsonst sind und die Krise nicht in einen unkontrollierten, katastrophalen Staatsbankrott mündet“, warnte Papademos. Die nächsten drei Monate seien „besonders kritisch“: die Entscheidungen, die es nun zu fällen gelte, „werden den Weg Griechenlands für die kommenden Jahrzehnte bestimmen“.

Griechenland am Scheideweg: „Überleben wir das Neue Jahr?“, fragt die Wochenzeitung „Proto Thema“ und dämpft die Erwartungen ihrer Leser: „Im besten Fall wird es uns 2012 schlechter gehen als 2011“; schlimmstenfalls drohe dem Land der Untergang. Griechenlands größte Tageszeitung „Ta Nea“ erschien zum Jahreswechsel mit einer Papademos-Karikatur auf der Titelseite. Sie zeigt den Premier als Weihnachtsmann.

Doch Geschenke hat er nicht mitgebracht. Die Taschen seines Kostüms sind nach außen gekehrt. Papademos kommt nicht nur mit leeren Händen. Er muss den Griechen ins Portmonee greifen und jetzt jene Geschenke wieder einsammeln, die seine Vorgänger in den zurückliegenden Jahrzehnten großzügig ans Wahlvolk verteilt hatten. „7,5 Milliarden neue Steuern“ sollen die Griechen im neuen Jahr zusätzlich aufbringen, stöhnt die Wirtschaftszeitung „Naftemboriki“.

Mehr als ein Dutzend Abgaben werden erhöht oder neu eingeführt. Unterdessen setzt sich die Talfahrt der Wirtschaft fort. Nachdem die Wirtschaftsleistung 2011 um rund sechs Prozent schrumpfte, dürfte sie 2012, im fünften Jahr der Rezession, um weitere drei Prozent zurückgehen. Allein der griechische Einzelhandelsverband rechnet für dieses Jahr unter seinen Mitgliedsfirmen mit 60.000 Insolvenzen. Ob die Steuererhöhungen in diesem Niedergang überhaupt  etwas bringen, außer die Konjunktur noch mehr abzuwürgen, ist fraglich.

Aber Papademos hat keine Wahl. Die Vorgaben der Kreditgeber sind strikt: in diesem Jahr sollen die Griechen das Haushaltsdefizit von zehn auf 4,7 Prozent und bis 2015 auf 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. Am 16. Januar werden die Delegationschefs der Troika wieder in Athen erwartet. Sie wollen dort nicht nur die Haushaltsführung prüfen. Sie erwarten auch greifbare Fortschritte bei den immer wieder aufgeschobenen Strukturreformen und den bisher äußerst schleppend verlaufenden Privatisierungen.

Kommentare zu " Rettung oder Untergang: Das Schicksalsjahr der Griechen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Griechische Bürger und griechische Politiker haben ihr Land ganz ohne fremde 'Hilfe' in die Sch... geritten.

    Also sparen Sie sich bitte Ihre Verleumdungen anderer Länder.

  • Seit 4 Jahren finanzieren sich die Schafskäseproduzenten nun über die Druckerpresse und schieben dies per Targetkredite der Deutschen Bundesbank, sprich uns zu. Damit sind wir erpressbar geworden. Griechenland war schon immer ein Schuldenhaufen und wird dies auch bleiben. Nur durch den Euro gingen die Zinsen für dieses Land zurück und kehrt jetzt wieder zu dem Punkt zurück wo es vor ca. 15 Jahren war. Feierabend. Vorbei mit Party und prassen, die Realität wird einziehen. Zeit wird es.

  • Beifall für diese Einschätzung!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%