Rettungsfonds
Alchemie löst nicht die Euro-Probleme

So wenig, wie man Gold aus Dreck schaffen kann, so wenig taugen die Versuche, den Rettungsfonds mit fantasievollen Konstruktionen aufzublähen. Eine Warnung des ehemaligen EZB-Chefvolkswirts.
  • 25

Seit die neugewählte griechische Regierung vor zwei Jahren offenbarte, dass das Defizit im öffentlichen Haushalt nicht etwas mehr als drei Prozent betrug, sondern ein Vielfaches, nämlich fast 14 Prozent (später noch nach oben revidiert), ist die Europäische Währungsunion (EWU) nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen verschwunden.

Auch wenn Hilfen bisher nur in Form von Krediten beziehungsweise Garantien gegeben wurden, rechnet doch wohl kaum noch jemand damit, dass die "Rettung" - was immer damit gemeint ist - ohne Belastung der nationalen Steuerzahler auskommen wird. Inzwischen werden von immer neuen Gipfeltreffen nicht nur weitere Hilfen, sondern der große Rettungsschlag erwartet. Meist geht es dabei darum, das Haftungsprinzip für nationale Schulden auf die Gemeinschaft auszudehnen, was unvermeidlich darauf hinausläuft, dass die solideren Staaten für die hochverschuldeten einstehen.

Ein impliziter Transfer von Geld der Steuerzahler wie im Falle von Euro-Bonds entbehrt jeglicher demokratischer Legitimation. Dieser Verstoß gegen das Prinzip "no taxation without representation" widerspricht fundamentalen Grundsätzen der Demokratie und würde unweigerlich den Protest der Bürger (Wähler) provozieren und eine antieuropäische Stimmung schaffen.

Kaum ist die Ausweitung des Rettungsfonds EFSF beschlossen, widmet sich die Diskussion der Frage, wie man die 440 Milliarden Euro durch entsprechende Konstruktionen "hebeln" kann. So wenig wie die Alchimisten Gold aus weniger edlen Ingredienzen schaffen konnten, so wenig sind die bekannten Modelle geeignet, die Beschränkung gegebener Mittel ohne Kosten zu überwinden.

Grundsätzlich liegen allen Vorschlägen zwei Überlegungen zugrunde. Zum einen geht man davon aus, dass die 440 Milliarden Euro nicht ausreichen. Nicht wenige sähen gerne einen um ein Mehrfaches erhöhten Fonds, dessen schiere Größe etwaige Spekulanten abschrecken soll. Die Gefahr, dass ein riesiger Bestand an Finanzmitteln als Einladung verstanden werden könnte, auch "genutzt" zu werden, wird dabei nicht einmal erwähnt.

Seite 1:

Alchemie löst nicht die Euro-Probleme

Seite 2:

Die Verwendung derivativer Produkte wäre geradezu grotesk

Kommentare zu " Rettungsfonds: Alchemie löst nicht die Euro-Probleme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Würde sagen: Jein
    Schulden nur für sich betrachtet sind wenig aussagefähig. Man muß mehrere Faktoren mit einbeziehen.
    Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Möglichkeit einer Erholung. Dabei spielt die Staatsquote eine endscheidende Rolle. Die Staatsquote von D liegt über 50 %, von USA aber nur bei 20 % .

    Schönen Tag noch.

  • Wir sind kurz vor dem Aus! Dieses Zinswirtschaftssystem wird, wie alle Zinssysteme vorher auch, scheitern. Keine Frage. Es ist nur eine Frage des !Wann! Bereits Ende 2008 hat sich der Buchautor Stefan Groß, in seinem Buch "Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem" mit der Frage beschäftigt, was passiert in diesem Fall? Wird es wieder in Krieg enden wie so viele Male vorher, wenn die Wirtschaften kaputt gehen? Sein Ziel war es, ich habe ihn neulich auf einer Lesung kennengelernt, eine Alternative zu finden, um die Energien der Bürger nicht auf Zerstörung zu lenken, sondern auf ein neues Wirtschaftssystem. Sein Buch ist einfach und verständlich geschrieben. Er zeigt anhand von vielen Beispielen wie Lösungen umzusetzen sind. Eines seiner Themen ist Transparenz! Durch Transparenz in allen Waren- und Geldbewegungen kommt automatisch Ehrlichkeit - so habe ich das von ihm gehört. Ich würde mir wünschen, dass sich viel mehr Menschen mit diesen Aussagen beschäftigen - zum Wohle von uns allen.

  • Entschuldigung!
    Es muss natürlich richtigerweise lauten bei einer Umfrage der ftd.de sprechen sich mittlerweile 65% für eine Rückkehr zur D-Mark aus.

    Link nachfolgend:
    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-krise-es-gibt-kein-zurueck-zur-d-mark/60118880.html

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%