Rettungspaket der US-Regierung
Geithners „Saat für die nächste Katastrophe“

Der neue US-Finanzminister Timothy Geithner wollte mit seinem neuen Rettungspaket Bevölkerung und Märkte beruhigen. Doch statt für Klarheit zu sorgen, warf er neue Fragen auf. Die Reaktionen sind teilweise vernichtend. Das rief sogar Präsident Barack Obama auf den Plan.

DÜSSELDORF. Das Rettungspaket der US-Regierung für den Bankenmarkt lässt nach Meinung von Experten und Medienbeobachtern noch zahlreiche Fragen offen. "Der große Wurf ist das nicht und auch kein neuer Ansatz für die Lösung der Probleme", sagte Bernd Weidensteiner am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt.com. Der Analyst mit Schwerpunkt USA bei der Commerzbank kritisierte, Geithner habe viele Worte gemacht, aber wenig Details gebracht.

"Die wichtigste Frage bleibt unbeantwortet, nämlich wie man die Investoren dazu bewegt, den Banken in größerem Umfang die giftigen Wertpapiere abzukaufen", sagt Weidensteiner. Derzeit seien die Kreditinstitute nicht bereit, zu den Preisen zu verkaufen, die Investoren dafür bezahlen würden.

Nach Geithners Vorstellungen soll ein öffentlich-privater Investmentfonds, für Weidensteiner "eine Art Bad Bank light", toxische Wertpapiere kaufen. Dafür sollen anfangs 500 Mrd. Dollar mobilisiert werden. Neben dem Fonds für die toxischen Wertpapiere ist geplant, ein Programm der US-Notenbank zur Ankurbelung des Kreditflusses an Verbraucher und Kleinunternehmen von derzeit 200 Milliarden Dollar auf bis zu eine Billion auszuweiten. Geithner kündigte auch die Bereitschaft zu neuen Kapitalspritzen für notleidende Banken an, allerdings zu schärferen Bedingungen. Ferner soll es bisher nicht näher beschriebene Hilfen für von Zwangsversteigerungen bedrohte Hausbesitzer geben.

Die wenig konkreten Pläne waren am Dienstagabend an den US-Börsen mit Enttäuschung aufgenommen worden. Der Dow-Jones der 30 größten US-Aktien hatte nach Geithners Auftritt 4,6 Prozent verloren, der breiter gefasst S&P-500-Index gab fast fünf Prozent nach.

"Wenn es (Geithners) Ziel war, Unsicherheit zu zerstreuen, dann hat es nicht funktioniert", urteilt das "Wall Street Journal" und liefert damit eine Begründung für die Kursverluste. Anstatt sich auf Banken alleine zu konzentrieren oder eine stringente Rettungs-Architektur vorzustellen, "bot Geithner etwas für jeden an, der Geldprobleme hat". Obendrein fehlten die Details zur Ausführung des Plans, alles bleibe im Ungefähren, schreibt das Journal.

Letztlich klebe "der Finanzminister an der Vorstellung, die Banken, die wir haben, so zu lassen, wie sie sind", schreibt der ehemalige Hedge-Fonds-Manager Andy Kessler in einem Gastkommentar für das Blatt. "Aber wir brauchen keine Zombie-Banken, die voll sind mit schwachen Krediten - fragen Sie die Japaner", fährt er fort. Die Idee der Regierung, mit öffentlichen und privaten Mitteln den Banken ihre toxischen Wertpapiere abzukaufen, sei zum Scheitern verurteilt. Geithner habe noch immer nicht das Problem gelöst, dass Banken ihren Giftmüll nicht zu den gegenwärtigen Preisen verkaufen wollten. Außerdem wolle doch niemand die Papiere haben.

An dem Modell für eine Bad Bank stoßen sich auch andere Experten: Am Ende müsse der amerikanische Steuerzahler für die Differenz zwischen den Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer aufkommen, die Gewinnmöglichkeiten würden jedoch privatisiert, kritisiert Commerzbank-Analyst Weidensteiner.

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