Rettungspaket nicht in Sicht
US-Autoindustrie verliert die letzten Freunde

Die US-Autokonzerne können nicht auf staatliche Hilfe hoffen. Bei einer Anhörung im amerikanischen Kongress wurde deutlich: Die Senatoren sind nicht bereit, mit Steuergeldern für falsche Unternehmensstrategien zu zahlen.

NEW YORK. Die Chancen auf eine staatlich organisierte Rettungsaktion für die finanziell ausblutende US-Autoindustrie sinken rapide. Nach dem Vertrauensverlust an den Finanzmärkten haben die Konzerne General Motors (GM), Ford und Chrysler jetzt auch den Rückhalt der Politik weitgehend verloren. Nach zweitägigen Anhörungen im US-Kongress zeichnet sich ab, dass es für eine schnelle Staatsbeihilfe keine Mehrheit geben wird. Davon geht mittlerweile auch die Börse aus: Ford-Aktien brachen gestern um 24 Prozent auf 1,28 Dollar ein, GM-Papiere fielen um weitere acht Prozent unter die Marke von drei Dollar.

Der Plan führender Demokraten, ein Darlehen über 25 Mrd. Dollar aus Topf des staatlichen Banken-Rettungsprogramms "Tarp" abzuzweigen, stößt auf hartnäckigen Widerstand der amtierenden US-Regierung. Selbst auf demokratischer Seite gibt es große Vorbehalte, in die seit Jahren hochdefizitären Konzerne weiteres Steuerzahlergeld zu pumpen. "Ich bin nicht sicher, ob wir gutes Geld schlechtem hinterherwerfen sollen", sagte Senator Ken Salazar, ein Demokrat aus dem Bundesstaat Colorado. Die Autoindustrie suche Heilung für Wunden, die "in hohem Maße selbstverschuldet sind", sagte der Chairman des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd.

Die Spitzen der US-Autoindustrie müssen mit einigem Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass sie auch in Washington nahezu jeglichen Kredit verspielt haben. Zwar hatte der designierte Präsident Barack Obama die Branche kürzlich noch als "Rückgrat der US-Wirtschaft" bezeichnet, das man stützen müsse. Der Gegenwind von zahlreichen Senatoren ist aber enorm, auch weil die öffentliche Meinung kaum mehr Sympathien für Management und Mitarbeiter in Detroit zeigt. Üppige Tarifverträge und Gewerkschaftsprogramme wie die sogenannte Jobs Bank, die auch entlassene Mitarbeiter der Autokonzerne weiterbezahlt, würden in schlechten Zeiten öffentlich nicht mehr toleriert, sagte Gary Chaison von der Clark University im Bundesstaat Massachusetts. "Ich wusste gar nicht, dass Detroit ein böses Wort ist", wundert sich eine Kolumnistin der "Detroit Free Press". Die Kommentarspalten führender Zeitungen und Internetportale fordern seit Tagen in seltener Einheit, den freien Markt entscheiden zu lassen und GM und Chrysler über Konkursverfahren zu sanieren.

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