Rettungsprogramm
Neue Milliardenhilfen für Griechenland beschlossen

Monatelang verhandelte die Geldgeber-Troika in Athen über Sparkurs und Reformen. Nun können neue Milliardenzahlungen fließen. Ein drittes Rettungspaket scheint zur Zeit nicht nötig zu sein.
  • 15

AthenNach monatelanger Hängepartie erhält Griechenland von den internationalen Geldgebern eine weitere Kreditrate in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Das beschlossen die Euro-Finanzminister grundsätzlich am Dienstag in Athen, wie Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mitteilte. Zwei weitere Raten in Höhe von jeweils einer Milliarde Euro werden an Auflagen geknüpft und sollen im Juni und Juli an die Regierung in Athen überwiesen werden.
Die Geldgeber-Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) hatte nach zähen Verhandlungen mit der griechischen Regierung den Weg für neue Hilfen geebnet.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sprach mit Blick auf Griechenland von „Dringlichkeit“. Mitte Mai muss Athen Schulden in Milliardenhöhe tilgen. Von den Europäern sollen dem Vernehmen nach 6,3 Milliarden Euro im April ausgezahlt werden, die restlichen 2 Milliarden Euro würden dann gestaffelt in den kommenden Monaten folgen.

„Wir sehen derzeit kein drittes Paket“

Das bis zum Mittwoch dauernde Treffen der europäischen Kassenhüter wurde von starken Sicherheitskräften geschützt. Behörden untersagten Demonstrationen rund um das Tagungszentrum in der Athener Innenstadt. Linke Parteien und Gewerkschaften riefen zu Kundgebungen am Abend auf.

Griechenland bekam von internationalen Geldgebern zwei Hilfspakete mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro, um die Staatspleite zu verhindern. Von europäischer Seite läuft das Programm Ende des Jahres aus. Es war häufig darüber spekuliert worden, ob ein Anschlussprogramm nötig sei oder nicht.

„Wir sehen derzeit nicht, dass es noch ein drittes Paket braucht, ich hoffe es bleibt dabei“, sagte der österreichische Ressortchef Michael Spindelegger. Aus Kreisen des Athener Finanzministeriums hieß es, Griechenland plane, so bald wie möglich die Aufnahme frischen Geldes an den Finanzmärkten zu wagen.

Die Euro-Kassenhüter debattierten laut Diplomaten auch über Portugal. Das Hilfsprogramm für Lissabon läuft bereits Mitte Mai aus. Es wird seit längerem diskutiert, ob das Land für seinen Ausstieg ein vorbeugendes Kreditprogramm braucht, um die Finanzmärkte zu beruhigen. „Wir warten die Entscheidung der portugiesischen Regierung ab“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn dazu. Der Finne wies gleichzeitig auf gute Wirtschaftsdaten aus Portugal hin.

Rehn sagte, der wirtschaftliche Aufschwung in Europa fasse Fuß. „Falls die Sicherheitskrise in und um die Ukraine (...) nicht die wirtschaftliche Erholung aus der Bahn bringt, bewegen wir uns in eine bessere Richtung.“ Das gelte auch die Arbeitslosigkeit, die in Europa immer noch sehr hoch ist.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rettungsprogramm: Neue Milliardenhilfen für Griechenland beschlossen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die deutschen Politiker scheinen die seinerzeitigen Bemerkungen der Iren zu den Deutschen schon wieder vergessen zu haben.

    Solche Verhandlungsergebnisse kann man nur als "Meineidbruder" oder mit völliger Demenz erzielen. Wie kann ein deutscher Minister an solchen Verhandlungen teilnehmen, der schon mehrfach in Untersuchungsausschüssen zugegeben hat, sich an nichts mehr erinnern zu können?

    Das verbietet doch der Anstand einen solchen Herren nicht mehr losrollen zu lassen!

  • Den Artikel kann man in regelmäßigen Abständen wiederverwerten. Nur den Rettungspaketszähler muss man immer wieder um eins erhöhen.

  • "Mit den permanenten Hilfszahlungen werden nicht die Griechen unterstützt, sondern französische Banken alimentiert."

    Unsinn. GR bekommt ca. 240 Mrd. Kredite von IWF/EU, damit werden zum groessten Teil die Staatsschulden GR (ca. 310 Mrd.) refinanziert. Nach Auszahlung der Not-Kredite schuldet dann GR besagte 240 Mrd. dem IWF/EU und 70 Mrd. anderen Glaeubigern (u.a. EZB, Banken/Versicherungen, private Anleger). Alle franz. Grossbanken haben eine Basel II-Quote von ueber 10% und machten 2013 Milliarden-Gewinne - selbst ein Totalverlust der Forderungen gegen GR wuere da keine Bank in Schwierigkeiten bringen, zumal die Risiko-Positionen, wie eben GR-Staatsanleihen, erheblich abgebaut wurden (Toechter in GR wurden verkauft).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%