Rettungsprogramm verlängert Griechenland einigt sich mit der Euro-Gruppe

Nach stundenlanger Verspätung der Verhandlungen kam die Lösung schnell: Griechenland und seine Partner haben eine Einigung im Schuldenstreit erreicht. Das Rettungsprogramm wird fortgesetzt – zunächst vier Monate lang.
Update: 20.02.2015 - 21:13 Uhr 23 Kommentare
Griechenlands Finanzminister Varoufakis bei den Verhandlungen in Brüssel. Quelle: dpa
Yanis Varoufakis

Griechenlands Finanzminister Varoufakis bei den Verhandlungen in Brüssel.

(Foto: dpa)

BrüsselGriechenland und die Europartner haben sich im Schuldenstreit geeinigt. Das Hilfsprogramm für Athen solle um vier Monate verlängert werden, bestätigten EU-Diplomaten am Freitagabend in Brüssel. Die Regierung in Athen habe sich verpflichtet, die Reformen fortzusetzen. Sie bekräftige, das Hilfsprogramm bis zum 30. Juni inklusive der Spar- und Reformauflagen erfolgreich abschließen zu wollen. Die Festlegung auf die zukünftigen Reformschritte solle am Montag erfolgen.

Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem sprach von einer intensiven Debatte. Es gehe um Vertrauen auf Grundlage von Vereinbarungen. Es gibt die Hoffnung, letztlich ein positives Ergebnis zu erzielen: „Heute Abend war ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung“. Die Beteiligten hätten sich auf eine Vereinbarung verständigt. „Heute Abend gab es den ersten Schritt, um wieder Vertrauen aufzubauen.“ Der Eurokurs reagierte positiv. Die Gemeinschaftswährung sprang auf den höchsten Stand des Tages und erreichte 1,1430 US-Dollar.

In Verhandlungskreisen hieß es zuvor, die Griechen hätten „schwere Kost schlucken“ müssen. Dijsselbloem habe Athen einen Entwurf der Euro-Gruppe vorgelegt, in dem die Forderungen der anderen 18 Euro-Länder zusammengefasst seien. Dann habe er den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras angerufen und gesagt: „Das oder es ist Schluss“.

Die Verhandlungen der 19-Euro-Finanzminister hatten zuvor ohne sichtbare Kompromissbereitschaft und mit mehr als drei Stunden Verspätung begonnen. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hatte vor Beginn des Treffens Korrekturen am Antrag für eine Verlängerung der Finanzhilfen abgelehnt und Entgegenkommen der Partner verlangt. Deutschland und andere Euro-Länder hielten die Zugeständnisse der Links-Rechts-Regierung weiter für unzureichend. Dann teilte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici zwischendurch per Twitter mit, dass es Fortschritte bei den Verhandlungen gebe.

Griechenlands bisheriges Hilfsprogramm läuft am 28. Februar aus. Ohne weitere finanzielle Unterstützung drohte Athen die Staatspleite und womöglich auch das Ende der Mitgliedschaft in der Eurozone. Die neue griechische Regierung will in den Verhandlungen zu weiterer finanzieller Unterstützung eine deutliche Lockerung der bisherigen Spar- und Reformauflagen durchsetzen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte noch am Donnerstag einen von seinem griechischen Kollegen Yanis Varoufakis eingereichten Hilfsantrag als unzureichend abgelehnt. Er zielte auf eine sechsmonatige Verlängerung der finanziellen Unterstützung für Griechenland.

EU-Währungskommissar Moscovici hatte sich vor dem Treffen verhalten optimistisch gezeigt. „Ich bin überzeugt, dass eine Einigung möglich ist“, sagte der Franzose. „Ich glaube, dass sich die Positionen angenähert haben. Es bleibt aber noch einiges zu tun.“

Im Grunde wollten alle Beteiligten Griechenland in der Währungsgemeinschaft halten, so Moscovici. „Es gibt nur einen Plan, und der sieht so aus: Griechenland in der Euro-Zone, mit einer guten Vereinbarung mit seinen Partnern, die dem Land auch erlaubt, sich zu entwickeln, zurück zum Wirtschaftswachstum zu kommen, die soziale Gerechtigkeit zu verbessern, (...) aber die Griechenland auch erlaubt, seine Verpflichtungen zu respektieren.“

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23 Kommentare zu "Rettungsprogramm verlängert: Griechenland einigt sich mit der Euro-Gruppe"

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  • Die Eurogruppe. Was für Looser... Eingeknickt, verloren gegen den griechischen Spieltheoretiker.

    Mann ist das einfach:
    Ich drohe mit Euroaustritt und bekomme alles. England zahlt weniger, Griechenland wird die Schulden los.
    Wer nichts verlangt ist blöd. Spanien, Italien, Portugal und Frankreich. Geld ist da, wollt Ihr nicht ein paar Milliarden abgreifen.

  • Die nächsten Wahlen werden kommen!

  • Und das alles nur, weil die direkte Schulden-Monetisierung verboten ist - na ja, mittlerweile ist die EZB ja schon ein Stückchen weiter, aber 2010 wars noch zu früh. Halt immer Stück für Stück weiter zur Schulden-Union.
    England, Japan und die USA beispielsweise haben dieses "Problem" überhaupt nicht: BoE, BoJ und die Fed drucken einfach soviel, wie benötigt wird. Wie sagte etwa "Maestro" Alan Greenspan so schön: "The United States can pay any debt it has, because we can always print money to do that."

  • Was bitte soll denn an der AfD so schlecht sein ?

  • Die Väter des organisierten Erbrechens haben es wieder geschafft. Bravo !!
    Man kann bei diesem elenden Schmierentheater gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.
    Ich bitte die harsche Wortwahl zu entschuldigen, aber es ist wirklich kaum mehr ohne Kalaschnikow zu ertragen.

  • 1. Die Fleißigen und Rechtschaffenen sind zu blöde, um an der Wahlurne mal endlich etwas zu bewegen. Wer zu fleißig und rechtschaffen ist, hat meist keine Zeit mehr, sich mit Politik, Wirtschaft und Finanzen eingehend zu beschäftigen.
    2. Wenn die Fleißigen und Rechtschaffenen zu doof sind, vor diesem sozialistischen Umverteilungsstaat ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, dann haben sie nichts anderes verdient. Es ist nicht einfach, aber es geht. Ich habe es auch geschafft.
    3. Wer noch an diesen Staat und seine Kasperltheater-Politiker glaubt, dem kann man sowieso nicht mehr helfen
    4. Und jetzt bitte Hirn einschalten und mal änger über die ganz persönliche Situation nachdenken. Alles andere bringt nichts.

  • Dank Herrn Schäuble und Frau Merkel wurden ca. 80 Milliarden Euro an Steuergeld verbrannt. Jeder Stammtischbruder wusste schon 2010, dass Griechenland seine Schulden nie wird zurückzahlen wollen/können. Frau Merkel hat in ihrer grenzenlosen Einfalt ihr persönliches politisches Schicksal vom Überleben des Euro unweigerlich verbunden mit dem Satz:"Stirbt der Euro, dann stirbt Europa". Diese einfältige und ideologische Äußerung war ein Blankoscheck für alle Pleitestaaten, dass Reformen nciht ernst genommen werden müssen. Denn - der Deutsche Steuerzahler wird immer für deren Schulden aufkommen. Frau Merkel, Herr Schäuble, Herr Juncker, Herr Baroso, Herr Disselblom u.a. können es sich politisch nicht leisten, dass die Griechen den Euro verlassen. Denn dann müssten sie sich in der Weltöffenlichkeit eingestehen, dass die heilige Monstranz "Euro" befleckt wurde. Dass der Euro keineswegs Wohlstand und Freide bringt, denn Bürger haben ihn abgewählt. Deswegen werden diese Politiker alles erdenkliche tun, damit Griechenland im Euro bleibt. Politikern geht es um Selbsterhalt, Macht, um eigene Interessen und um parteipolitische Interessen. Würde Greichenland den Euro verlassen, würde es ein politisches Erdbeben geben - die etablierten, eurohörigen Parteien würden vom Wähler abgestraft. Die politische "Elite (??) müsste ihr Versagen eingestehen und den Bürgern erklären, warum ca. 320 Milliarden Euro in den Sand gesetzt wurden, Das wird nie passieren - die Politiker wollen politisch und biologisch Überleben. Unter dem Motto - hoffentlich erlebe ich den Zusammenbruch nicht mehr !

  • Zusätzlich zu den weiteren Lippenbekenntnissen der Griechen zur Schuldenbegleichung erdreisten sie sich, sofort die Hand aufzuhalten, um nächste Woche ihre fortlaufenden Kosten des Staatsapparates und weiteren Konsums bezahlen zu können. Selbst erarbeiten? Das haben wir doch noch nie gemacht. Alle sollen froh sein, daß wir ihre Produkte abnehmen. Das wird alles von den Politikern der EU und unseren Politschranzen abgenickt, weil sie sich total verzettelt haben. Die BRD-Politschranzen bürgen sogar noch für den Schaden!
    Und die Bürger stehen wie der Ochse vor dem Berg und verstehen absolut nichts. Es ist nicht zu fassen.

  • Vermutlich war das Ergebnis schon längst zuvor vereinbart. Für die Öffentlichkeit
    mussten diese Inszenierungen, d.h. Provokationen, Betroffenheiten, Zurückweis-ungen, etc. aufgeführt werden. Gutes Schauspiel, Kompliment. Fast hätte ich
    Schäuble seine Entrüstung und harte Haltung abgenommen. Man wollte einfach noch ein wenig Zeit gewinnen, um die Spannung zu erhöhen. Und jetzt sind sie einen Schritt weitergekommen - großes Aufatmen!. Und in Kürze ist die Sache
    in trockenen Tüchern, Mann, das war aber knapp!

  • Das Ganze ist nur ein Aufschub,keine Lösung.Wer ist so naiv zu glauben, dass nach 4 Monaten Griechenland besser da steht als jetzt? Jetz werden neue Staatsangestellte eingestellt, der Mindestlohn wird erhöht und es soll eine gravierende Fiskalreform durchgeführt werden. Die Superreichen werden sicherlich nicht darauf warten, ihr Geld verschwinden zu lassen. Auf Wiedersehen in 4 Monaten in Brüssel, bei der nächsten Notversammlung, um einen Grexit zu verhindern. Auf Wiedersehen im Herbst, bei noch einer Notversammlung, um solidarisch für Schulden aufzukommen, die Spanien durch "PODEMOS"nicht begleichen will, auf Wiedersehen beim finalen Untergang des EUROS.

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