Rettungssanitäter in Gaza
Die nächste Horrorschicht

Sie sammeln Leichenteile ein, müssen tote Kinder bergen: die Rettungssanitäter in Gaza. Immer wieder geraten sie unter Beschuss – der Israelis und der Hamas. Doch Aufgeben kommt für sie nicht in Frage.

GazaIn ihrem ärmlichen Ambulanzposten in Gaza bereiten sich palästinensische Rettungssanitäter auf ihre nächste lange Horrorschicht vor. Sie müssen mit Bombardements und Beschuss rechnen, mit zahlreichen getöteten Zivilisten und manchmal auch mit dem Tod von Kollegen. Inmitten der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen, mit rund sechshundert Toten innerhalb von zwei Wochen, sehen sie sich als „Familie“, als Seelenverwandte, die mit kaum verkraftbaren Erfahrungen umgehen müssen.

Sie sammeln Leichenteile ein, müssen immer wieder tote Kinder bergen. Mal geraten sie in den Bombenhagel israelischer Luftangriffe oder in das Schussfeld von Heckenschützen der radikalislamischen Hamas. Schon mehrere von ihnen wurden verwundet.

Dschihad Selim ist heute der Schichtführer. Trotz der seither durchgemachten Kriege und Aufstände bereut er nicht, sich vor 17 Jahren für den Beruf des Rettungsassistenten entschieden zu haben. Dennoch möchte er nicht, dass seine Kinder den gleichen Weg einschlagen: „Was wir zu sehen bekommen, ist äußerst hart. Wenn wir in die Trümmer eines Hauses kommen, kann es passieren, dass jemand eine Hand findet und sie dir mit den Worten 'Nimm mal' weiterreicht.“ Selim fügt seufzend hinzu: „Aber man gewöhnt sich daran.“

Sein Kollege Adel al-Asbut stimmt zu: „Ehrlich gesagt, ich muss damit leben. Wenn ich Leichenteile sehe, muss ich damit möglichst professionell umgehen.“ Der 30-Jährige hat sich während der zweiten Intifada entschlossen, Sanitäter zu werden. „Anderen Menschen zu helfen ist doch das Beste, was ein menschliches Wesen tun kann. Ich fühle mich geehrt, dass ich diese Möglichkeit habe“, sagt al-Asbut.

Hinter ihm klingelt das Telefon. Familien, die nahe der israelischen Grenze wohnen, bitten verzweifelt, in Krankenwagen in Sicherheit gebracht zu werden. Aber Schichtleiter Selim kann das nur in enger Koordination mit dem Internationalen Roten Kreuz organisieren und muss vertrösten.

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