Rettungsschirm
Die wichtigsten Fragen zum Hilfspaket

Wann Irland internationale Kredithilfen in Anspruch nehmen muss, ist nach Meinung vieler Beobachter nur noch eine Frage der Zeit. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Rettungspaket.
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>>Was umfasst das Rettungspaket?
Die einzelnen Euro-Länder, die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben im Mai das Rettungspaket für klamme Euro-Länder geschnürt. Wenn ein Euro-Land keine oder nur noch sehr teure Kredite über den Anleihemarkt bekommt, greift eine Reihe von Hilfsmechanismen. Für Griechenland, das schon Hilfen aus einem eigenen Paket bekommt, gilt das nicht. Die anderen Länder können zumindest einen Teil der Kredite nicht nur für ihre eigene Finanzierung, sondern auch zur Stützung ihrer Banken beantragen. Hilfsgesuche können bis zum 30. Juni 2013 eingereicht werden.

>>Wer trägt das Rettungspaket?
Die EU-Kommission trägt über den sogenannten European Financial Stability Mechanism (EFSM) 60 Mrd. Euro bei. Zudem haben die Euro-Länder eine Zweckgesellschaft mit dem Namen European Financial Stability Facility (EFSF) gegründet. Sie hat ein Volumen von 440 Mrd. Euro. Der Anteil der Euro-Länder an der Zweckgesellschaft richtet sich nach ihrem jeweiligen Anteil an der Europäischen Zentralbank. Die Hälfte der Kredite, die EU-Kommission und Euro-Länder vergeben, legt der IWF noch einmal obendrauf. Das Gesamtpaket ist somit 750 Mrd. Euro schwer.

>>Wie viel kann ausbezahlt werden?
Ganz klar ist das noch nicht. Sicher ist jedoch, dass es nicht die gesamten 750 Mrd. Euro sind. Der Grund: Die Zweckgesellschaft EFSF hat von den Ratingagenturen die Höchstnote "AAA" bekommen. Die ist nötig, damit sie selbst die Kredite, die sie vergibt, günstig über Anleihen refinanzieren kann. Als Bedingung dafür verlangen die Agenturen mehrere Sicherheitspuffer. Laut Analysten läuft es letztlich darauf hinaus, dass der EFSF netto nur Kredite im Volumen von 255 Mrd. Euro auszahlen kann. Diese Summe entspricht dem Volumen, das Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg - also Staaten, die selbst "AAA"-Ratings haben - garantieren. Entsprechend würde der IWF netto Kredite über nur knapp 160 Mrd. Euro zur Verfügung stellen. Insgesamt könnten damit laut Analysten 475 Mrd. Euro an Hilfen ausbezahlt werden.

>>Welche Bedingungen gibt es?
Ein Land muss die Hilfe selbst beantragen und sich dann strengen wirtschaftspolitischen Auflagen unterwerfen, die von EU und IWF aufgestellt werden. EU, IWF und die Europäische Zentralbank (EZB) entsenden zur Prüfung Vertreter in das jeweilige Land.

>>Wie hoch sind die zu zahlenden Zinsen?
Auch das steht noch nicht genau fest. Die Zinskosten sollen sich an denen orientieren, die Griechenland für die Hilfen an die Euro-Länder und den IWF zahlt. Grundlage sind die Interbankensätze zum Tausch fester Zinsen gegen variable. Diese liegen für eine Laufzeit von drei Jahren bei derzeit rund 1,9 und für zehn Jahre bei 2,9 Prozent. Auf diese Sätze müssen die Schuldner für Laufzeiten bis drei Jahre einen Aufschlag von drei und für längere Laufzeiten von vier Prozentpunkten zahlen. Dazu wird eine einmalige Servicegebühr von 0,5 Prozentpunkten fällig.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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