Revolte in Syrien
UN-Chef hat Al-Kaida in Verdacht

Hat das Terrornetzwerk Al-Kaida bei den Unruhen in Syrien seine Finger im Spiel? Ja, glaubt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Damit gießt er allerdings Wasser auf die Mühlen der syrischen Regierung.
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New YorkAl-Kaida hat sich nach den Worten von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in die Revolte in Syrien eingemischt. Er glaube, dass die Extremistenorganisation für einen Doppelanschlag in Damaskus am Donnerstag vergangener Woche verantwortlich sei, sagte Ban am Donnerstag in New York.

Mindestens 55 Menschen waren bei dem Doppelanschlag getötet und 370 verletzt worden. Selbstmordattentäter hatten ihre mit Sprengstoff beladenen Autos vor einem Geheimdienstgebäude zur Explosion gebracht. Nach Angaben von Augenzeugen zündete zunächst eine kleinere Bombe und dann eine wesentlich stärkere, die offenbar gezielt Schaulustige und Rettungskräfte treffen sollte. Die Taten wurden international verurteilt.

Zum Verdacht, Al-Kaida stecke als Drahtzieher hinter den Anschlägen, sagte Ban: "Das schafft erneut ein sehr ernsthaftes Problem." Zugleich hob er die UN-Schätzung für die Toten des seit März 2011 währenden Konflikts auf mindestens 10.000 an.

Mit der Einschätzung des Uno-Chefs zu Al-Kaida dürfte sich die Regierung in Damaskus bestärkt fühlen. Das international weitgehend isolierte Syrien erklärt seit Monaten, aus dem Ausland finanzierte "Terroristen" würden hinter dem Aufstand stecken. Die Regierung verdächtigt besonders Saudi-Arabien und Katar der Unterstützung, die sich für eine Bewaffnung der Gegner von Präsident Baschar al-Assad starkmachen.

Die syrische Regierung hatte den Vereinten Nationen vor kurzem eine Liste mit 26 festgenommen Ausländern vorgelegt, die zum Kampf eingeschleust worden seien. 20 dieser Personen seien Mitglieder von Al-Kaida und über die Türkei ins Land gelangt, erklärten die Behörden.

In Syrien befinden sich knapp 260 unbewaffnete UN-Beobachter, die die Einhaltung eines Waffenstillstands überwachen sollen. Dieser gilt seit fünf Wochen, ist jedoch von beiden Seiten mehrfach gebrochen worden.

Einem Bericht des UN-Sanktionsausschusses zufolge hat auch Nordkorea versucht, die Sanktionen der Vereinten Nationen zu umgehen und Material zur Herstellung von Waffen und Munition zu liefern. Der Transport sei aber von den Behörden eines Uno-Mitgliedslandes abgefangen worden.

Zuvor war bekannt geworden, dass UN-Experten von Waffenlieferungen aus dem Iran nach Syrien erfahren hatten. Unter anderem sei der Verkauf von Sturmgewehren, Munition, Mörsergranaten, Sprengstoffen und Zündern aufgedeckt worden.

Mit Blick auf Syrien und den Iran warnte Russland vor einer militärischen Intervention des Auslands. An einem gewissen Punkt könnten Handlungen, die die Souveränität eines Landes untergraben würden, zu einem voll ausgewachsenen regionalen Krieg führen, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in St. Petersburg.

"Ich möchte niemanden ängstigen, aber Atomwaffen könnten dabei eine Rolle spielen", warnte Medwedew.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Es wird höchte Zeit, dass der Westen sich endlich mal besinnt ud nicht ständig in die Belange der anderen Länder eingreift. Wie andre leben, hat uns nicht zu interessieren.
    Islam und Demokratie passen nicht zusammen.
    Die Probleme sehen wir doch zur Genüge im eigenen Land.
    Und unser Multi-Kulti-Wahn und die dümmliche Ansicht, man könne in diese Länder westliche Demokratie eiführen, ist so naiv wie blöde
    Das einzige was uns dieser Wahn immr kotet ist unser Geld

  • Es wuerde der westlichen Presse einmal gut anstehen, den Standardslogan der "Pro-Democracy-Aufstaendischen", den am andauernd im Hintergrund bei Aufnahmen hert, wiederzugeben: "Die Alewiten ins Grab, die Christen nach Beirut" Im Arabischen reimt sich das schoen. Nur soviel, friedliche Demonstranten und auf der anderen Seite der boese Assad. Aber die Berichterstatter haben aus den ganzen Luegen der letzten 20 Jahre nichts gelernt (Massenvernichtungswaffen, Luftangriffe auf Zivilisten in Tripolis, Brutkastenraub etc.)

  • die fehler wurden nicht nur in Syrien gemacht sondern vor allem im Irak. Dort ist eine tickenden Zeitbombe produziert worden. Der radikale stamm der dort immer mehr die Oberhand gewinnt wurde von Sadam Hussein erfolgreich bekämpft. Klar das er mit denen nicht zum Kaffee saß...

    Das Morden kann man da nicht mit gesunden Menschenverstand verstehen. genau wie ProKapitalismus sagt: die leben echt noch vom vertändniss im 15. Jh, drum spielt bei denen auch Gott usw noch so eine große rolle. In der westlichen Welt sieht man die Beziehung zu Gott als Ruhepool und altagsausgleich.

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