Revolutionsgarde
Teherans Großmanöver mischt Nahost auf

Der Iran lässt den Schutz seiner Atomanlagen üben; auch als Antwort auf Israels Drohungen. Gleichzeitig verschärft Israel seinen Kurs gegenüber der Hamas im Gaza-Streifen – mit Folgen für den Antrittsbesuch von Außenminister Westerwelle nach Jerusalem und Ramallah.
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BERLIN. Mit einem umfangreichen Manöver seiner Revolutionsgarden Pasdaran heizt Iran die politisch stark angespannte Lage im Nahen Osten weiter an. Mit der am Sonntag begonnenen Militärübung auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland will Teheran vor allem seine Luftabwehrfähigkeiten und den Schutz seiner umstrittenen Atomanlagen trainieren.

Das Manöver ist eine Reaktion auf Israels Drohung mit Luftangriffen auf nukleare Einrichtungen der Perser: „Noch bevor der Staub israelischer Raketen sich in diesem Land legt, werden wir iranische Mittelstreckenraketen im Herzen von Tel Aviv einschlagen lassen“, drohte Mojtaba Zolnour, Vertreter von Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei bei den paramilitärischen Revolutionsgarden.

Khamenei selbst sprach sich am Sonntag für mehr Kooperation der Golfstaaten aus, um ihre Rolle in der internationalen Politik zu verstärken. Israels Präsident Schimon Peres wies dies zurück: Irans Ziel einer Kontrolle über den Nahen Osten habe keine Chance.

Iran kritisiert Russland

Im Atomstreit hat Israel mehrfach gedroht, Irans Atomanlagen anzugreifen. Für deren Verteidigung sind die Revolutionsgarden zuständig, die mit über 125 000 Mann besser ausgerüstet sind als die reguläre Armee. „Das sind die größten Manöver seit langem, und sie sind darauf gerichtet, unser Land gegen jeden Angriff immun zu machen“, sagte Brigadegeneral Ahmad Mighani dem iranischen Fernsehen.

Zugleich wächst aber in Teheran der Ärger, dass Russland bisher die angeblich vom Kreml zugesagten S-300-Raketenabwehrsysteme noch nicht an Iran geliefert habe. „Dahinter stehen keine technischen Probleme, wie vorgegeben, sondern zionistischer Druck“, meinte Mighani. Iran werde selbst solche Abwehranlagen entwickeln, sollte Moskau nicht liefern. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte Russland dafür gelobt, dass es dem Mullahregime die S-300-Systeme bisher nicht verkauft habe.

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  • Der deutsche Außenminister sollte für deutsche Außenpolitik einstehen. Deutschland fordert immer wieder die Einhaltung des Völkerrechts und internationale Gerichtsverfahren gegen Kriegsverbrecher. Eine schwierige Aufgabe für Minister Westerwelle solche Positionen in israel zu vertreten. Er wird also schweigen. Oder soll er sogar für das Gegenteil eintreten? Das sind die eigentlichen Probleme auf dieser Reise.

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