Rezension „Markt ohne Moral“: Nachdenkliche Worte aus der Londoner City

Rezension „Markt ohne Moral“
Nachdenkliche Worte aus der Londoner City

Susanne Schmidt hat mit ihrem Buch „Markt ohne Moral“ eine packende und lesenswerte Analyse der Finanzkrise geschrieben. Die Autorin kennt die Märkte aus ihrer eigenen Arbeit, sie schreibt differenziert und verständlich. Wie das Buch die Krise verstehen hilft.
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DÜSSELDORF. Weltweit gab es eine tiefe Rezession, weltweit ist die Arbeitslosigkeit gestiegen, weltweit häufen sich in den Staatskassen die Schulden. „Alles nur wegen eines einzigen Berufszweigs und seiner Leidenschaft für russisches Roulette? Das darf wohl nicht wahr sein.“ Susanne Schmidt ist wütend, entsetzt – auch, weil sie selber Teil dieses Systems war. 30 Jahre lang hat sie in London in der Finanzbranche gearbeitet: 20 Jahre als Bankerin, zehn Jahre als Fernsehjournalistin. Dann kam die Finanzkrise, und sie hat auch Susanne Schmidt den Job gekostet. Ihre Lehren daraus hat sie in ein äußerst lesenswertes Buch gefasst: „Markt ohne Moral – Das Versagen der internationalen Finanzelite“.

Die Moral sei im Laufe der Jahrzehnte verlorengegangen, schreibt sie. Susanne Schmidt prangert die Bankenwelt an, die zunehmend härter, aggressiver und egoistischer geworden sei. Das Thema beschäftigte sie umso mehr, da sie sich nach wie vor mit dem Finanzsektor identifizieren konnte, schreibt die promovierte Ökonomin. „Insofern ist dieses Buch keine Abrechnung. Es ist der Versuch, Entwicklungen, Eindrücke, Fakten und Schlussfolgerungen so zu schildern, wie sie sich mir darstellen und wie ich sie beurteile.“

Schmidt schafft es, eine breite Leserschaft für sich zu gewinnen, indem sie sich sowohl als diejenige gibt, die nah dran ist, und als eine von den Normalbürgern, die ungläubig zusehen müssen.

Seit das Buch im April erschienen ist, steht es in den Bestsellerlisten für Sachbücher weit oben. Rund 50 000 Stück hat der Droemer-Verlag bislang verkauft. Lob kommt von allen Seiten. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger etwa adelt Schmidt als eine kluge Ökonomin und Finanzjournalistin. Und Kurt Beck, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, sagt: „Susanne Schmidts Buch gilt als eine der besten Analysen für die Ursachen der Krise der Finanzmärkte und der Realwirtschaft.“

Damit verspricht er nicht zu viel. Was Schmidt vorgelegt hat, ist eine anschauliche und zugleich packende Analyse der Krise. Das Buch liest sich leicht und schnell. Die Autorin versteht es, sehr bildhaft zu erzählen, was vor allem für Menschen, die keine ausgewiesenen Finanzexperten sind, hilfreich ist. In einem angehängten Glossar erklärt sie sogar die wichtigsten Begriffe.

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  • "Schmidt gegen Staatshilfen". Na, da hat die "Österreichische Schule" die Expertin wohl übermannt. Wie wäre es denn mit den Konsequenzen einer solchen Überlegung auf der anderen Seite. ist es wirklich so ein einseitiges, so subjektives buch? Dann wäre es verzichtbar, denn so etwas hilft nicht weiter, und hätte wohl keinen Preis verdient.

  • wozu braucht man noch bücher es ist so einfach beschrieben.
    Die Party ist vorbei und die Richtung ist eindeutig wohin die Reise geht.

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