Rezession
Kratzer für Obamas Optimismus

Die Rezession in den USA ist erheblich tiefer als bisher angenommen. Nach den Zahlen des Wirtschaftsministeriums sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2008 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate um 6,2 Prozent. Experten bezweifeln eine schnelle Erholung – und werfen der Regierung Obama zu optimistische Annahmen vor.

NEW YORK. Das Ministerium hatte ein Minus von 3,8 Prozent erwartet. Im Vergleich zu anderen Industrieländern stehen die USA damit zwar fast noch gut da. In Japan brach das BIP mit einer annualisierten Rate von gut 13 Prozent ein, in Deutschland um 8,4 Prozent. Da aber US-Präsident Barack Obama für seinen gerade vorgestellten Etat 2010 eine relativ kurze Rezession unterstellt, dürften die neuen Zahlen in Washington für Ernüchterung sorgen. Ökonomen werfen ihm bereits vor, zu optimistische Annahmen zu treffen und das Defizit zu schönen.

Der Rückgang des Wirtschaftswachstums in den USA war der stärkste seit 1982. Selbst pessimistische Analysten hatten nicht mit einem derartigen Ausmaß gerechnet. Die Chancen für eine Erholung der US-Konjunktur noch in diesem Jahr sinken damit dramatisch. Die Verbraucher gaben im letzten Quartal 4,3 Prozent weniger Geld aus. Der Export ging sogar um 23,6 Prozent zurück. Daran wird die globale Dimension des Abschwungs deutlich – viele Abnehmer von amerikanischen Produkten leiden selbst unter einer Rezession und kaufen weniger Waren im Ausland.

Erste Indikatoren für 2009 weisen ebenfalls darauf hin, dass eine baldige Erholung nicht in Sicht ist. Die Arbeitslosenquote in den USA stieg im Januar auf 7,6 Prozent, gegenüber 7,2 Prozent im Vormonat. „Das erste Quartal wird nicht gut aussehen“, räumte die Vorsitzende von Obamas Rat der Wirtschaftsberater, Christina Romer, ein. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet die US-Regierung einen BIP-Rückgang um 1,2 Prozent. Im Jahr darauf sieht sie die Wirtschaft bereits wieder deutlich im Plus, mit 3,2 Prozent. Zwischen 2011 und 2013 werden Wachstumsraten zwischen 4 und 4,6 Prozent angenommen. So steht es in dem Budgetentwurf, den Obama vergangene Woche vorgelegt hatte.

Viele Experten halten diese Annahmen für unwahrscheinlich. Harvard-Ökonom Greg Mankiw weist in seinem vielgelesenen Blog darauf hin, dass die Regierungsprognose in den nächsten fünf Jahren insgesamt ein um sechs Prozent höheres Wirtschaftswachstum unterstellt als das so genannte „Blue Chip“-Gutachten, das die Berechnungen unabhängiger Fachleute zusammenfasst. Deutliche Unterschiede gibt es auch bei anderen Kennzahlen. So unterstellt die Regierung für 2009 und 2010 Arbeitslosenquoten von 8,1 bzw. 7,9 Prozent. Die Schätzungen privater Institut liegen im Durchschnitt bei 8,3 bzw. 8,7 Prozent.

Seite 1:

Kratzer für Obamas Optimismus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%