Rezession
Spaniens Wirtschaft weiter auf Talfahrt

In Spanien hat sich die Rezession im zweiten Quartal verschärft. Das Land verzeichnete eine Arbeitslosenquote auf Rekordhoch und höhere Finanzierungskosten. Auch die Inflationsrate zog im Juli an.
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MadridMitten in der Schuldenkrise taumelt das finanziell angeschlagene Spanien immer tiefer in die Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in den drei Monaten bis Ende Juni um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das spanische Statistikamt am Montag in Madrid mitteilte. Für das Vorquartal wurde ein Minus von 0,3 Prozent beim BIP berichtet und damit die vorläufigen Zahlen der spanischen Zentralbank vom 23. Juni bestätigt. Damit verliert die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone konjunkturell noch mehr an Boden und gilt weiter als nächster Kandidat für den Rettungsschirm.

Die Verbraucherpreise lagen im Juli 2,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor, teilte das Statistikamt mit. Im Juni waren sie um 1,8 Prozent gestiegen.

Der Internationale Währungsfonds erklärte am 27. Juli, er rechne aufgrund der Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits mit einer Verschärfung der Rezession in Spanien. Für nächstes Jahr erwartet der IWF ein Minus von 1,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt, doppelt so viel wie zuvor prognostiziert. Zudem geht er davon aus, dass die Steuererhöhungen die Inflation anheizen.

Die Rezession treibt die Arbeitslosigkeit zudem auf den höchsten Stand seit der Rückkehr zur Demokratie Mitte der 1970er Jahre. Die Arbeitslosenquote kletterte im zweiten Quartal auf 24,6 Prozent. Ein höheres Niveau hat es seit Einführung der Statistik 1976 - und damit ein Jahr nach dem Tod des langjährigen Diktators Franco - nicht gegeben.

Ministerpräsident Mariano Rajoy setzt derzeit die markantesten Haushaltskürzungen der demokratischen Ära in Spanien um, da er den Anstieg der Finanzierungskosten auf ein Rekordhoch seit der Einführung des Euro dämpfen will.

Am Montag lag die Rendite der zehnjährigen spanischen Anleihe bei 6,67 Prozent, acht Basispunkte niedriger als am Freitag. Den höchsten Stand erreichte sie am 25. Juli mit 7,75 Prozent. Ende vergangene Woche fiel die Rendite zurück, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi ankündigte, die Europäische Zentralbank werde alles tun was nötig sei, um den Euro zu erhalten.

Nach dem Konjunktureinbruch zum Ende des Immobilienbooms 2008 ächzt das Land inzwischen unter der Schuldenkrise und dem mangelnden Vertrauen der Finanzmärkte. Für seinen maroden Bankensektor bekam Spanien von seinen Euro-Partnern schon Finanzhilfen von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die hohen Kosten für die Staatsfinanzierung schüren aber Sorgen, dass das Land als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Die Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy stemmt sich mit einem harten Sparkurs über 65 Milliarden Euro dagegen.

Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sollen mittelfristig die Haushalte entlasten, dürften kurzfristig aber die Krise verschärfen. "Der Verbrauch bleibt sehr schwach", sagte Analyst Jose Carlos Diez vom Brokerhaus Intermoney. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für Spanien in diesem Jahr einen BIP-Rückgang von 1,5 Prozent, die EU-Kommission sagt sogar ein Minus von 1,8 Prozent voraus. Die Wirtschaft dürfte nach Ansicht vieler Experten bis weit ins nächste Jahr hinein schrumpfen.

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  • Deutschlands BIP ist um 5% gesunken. Da hat Europa auch keine Solidarität geübt. Und nun sind 1,5% oder 1,8% ein Tragödie?

    Man darf nur nicht darüber jammern und in Europa betteln gehen, sondern muß die notwendigen Reformen konsequent und beherzt angehen. Hoffen und Beten werden allein wohl nicht reichen...

  • Die 25% Arbeitslosgikeit in Spanien sind eine direkte Folge des Euro.

    Die Spanier verhalten sich nicht kompatibel zum Euro, oder der Euro ist nicht kompatibel zum Verhalten der Spanier - man kann es drehen und wenden wie man will, mit dieser zu harten Währung wird das Land untergehen.

    Und es ist unmöglich, den Wohlstand des Landes durch Transfers aus dem Norden auf das Niveau zu heben, das Spanien bei einer guten Beschäftungslage hätte.

    Leider können weder die deutschen noch die spanischen oder Brüssler Politiker zugeben, dass die Staatsschulden-Krise nur eine Folge der durch den Euro ausgelösten katastrophalen Wirtschaftslage ist.

  • Und hier die wahren Zahlen: Spaniens Bruttoinlandsprodukt wird im komenden Jahr nicht um 1,2 Prozent, sondern um mehr als 4 Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit liegt dann bei 28 Prozent. Der Großteil der Regionen steht vor dem Finanzkollaps, die Spanier stürmen die Rathäuser. Die Kapitalflucht erreicht griechische Ausmaße, die Banken werden nur noch über Notkredite der EZB künstlich beatmet. Der Zinssatz für 10-jährige Anleihen liegt ohne die Aufkäufe der EZB bei über 15 Prozent. Die Regierung tritt ab, eine gemiensame Notregierung übernimmt. Hurrah! Wir kriegen Europa dank unserer verstrahlten Politiker noch kaputt. "Bleibt der Euro, dann scheitert Europa!"

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