Richard Holbrooke im Interview
USA üben keinen Druck auf Deutschland aus

Die USA werden Deutschland nicht unter Druck setzen, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Das sagte der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Holbrooke sieht zudem durchaus Parallelen zwischen Afghanistan und Vietnam.
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Handelsblatt: US-Präsident Obama will 30 000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Von den Nato-Alliierten sollen noch einmal 5 000 Soldaten kommen. Wer soll die Truppen stellen?

Richard Holbrooke: Ich mag diese Zahlenspiele nicht. Von unseren Alliierten erwarten wir keine Zahlen, sondern politische Zusagen. Großbritannien hat bereits 500 zusätzliche Soldaten angekündigt, andere Länder bereiten eigene Beiträge vor. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit in der Nato funktioniert.

HB: Wo und wie sollen die zusätzlichen Truppen eingesetzt werden?

Holbrooke: Wir werden unsere Soldaten erst in den Süden schicken, nach Helmand und Kandahar. Dann kommt der Osten dran. Wir müssen in die Kerngebiete der Taliban vordringen. Denn die Taliban sind eng mit El Kaida verbunden, und davon geht eine globale Bedrohung aus.

HB: Was passiert, wenn der Erfolg ausbleibt? Droht dann in Afghanistan ein neues Vietnam?

Holbrooke: Zwischen Afghanistan und Vietnam gibt es einige strukturelle Ähnlichkeiten. Aber der Einsatz könnte nicht unterschiedlicher sein. In Vietnam ging es nie um die Sicherheit der USA und Europa, so wie in Afghanistan. Wenn das westliche Bündnis hier keinen Erfolg hat, werden wir einen sehr ernsten Anstieg der Gewalt erleben. Afghanistan ist der ultimative Test für die Nato und das gesamte westliche Bündnis.

HB: Deutschland will keine neuen Truppen schicken, sondern bis zur Afghanistan-Konferenz im Januar warten. Sind Sie enttäuscht?

Holbrooke: Die Bundeswehr hat schon mehr als 30 Soldaten in Afghanistan verloren, das ist historisch. Ich habe daher Verständnis für die Haltung der Kanzlerin. Die deutsche Präsenz im Norden Afghanistans ist extrem wichtig. Es bleibt den Deutschen selbst überlassen, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

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