Richtlinie
EU erlaubt Produktplatzierung

Die Fernsehsender in der Europäischen Union bekommen neue Spielregeln, die auch für neue elektronische Medien wie das Internet gelten. Der Kulturausschuss des Europäischen Parlaments billigte am Dienstag in Brüssel einen Kompromiss mit den 27 Mitgliedstaaten.

HB BRÜSSEL. Fernsehsender in der Europäischen Union dürfen künftig in Ausnahmefällen Programme durch die Platzierung von Produkten wie Autos oder Lebensmitteln finanzieren. Das sieht die neue EU-Fernsehrichtlinie vor, die am Dienstag der Kulturausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel billigte. Zwar wird grundsätzlich ein Verbot des Werbens für Produkte festgeschrieben. Allerdings können die Mitgliedstaaten Ausnahmen festlegen, wenn garantiert ist, dass die Praxis für den Zuschauer klar gekennzeichnet ist. Der europäische Verband öffentlicher Fernsehanstalten (EBU) begrüßte den Kompromiss als zukunftsweisend und praxisnah.

Die Neufassung der Richtlinie war nötig, um beispielsweise neue Vertriebskanäle im Internet oder Videos auf Bestellung zu erfassen. Die Richtlinie soll alle Anbieter auch beim Jugendschutz gleichstellen. Nach dem Kulturausschuss des Parlaments ist nun der zuständige Ministerrat am 24. Mai am Zuge. Der Kompromiss zwischen dem Parlament und den 27 Mitgliedstaaten war in den vergangenen Wochen auch mit Hilfe der EU-Kommission ausgehandelt worden. Die Zustimmung im Rat wie auch im Plenum des Parlaments im Juni gelten als Formsache. Die alte Richtlinie stammt von 1989.

Die CDU-Abgeordnete Ruth Hieronymi, die federführend für das Europaparlament verhandelte, sagte nach der Abstimmung: „Dies ist eine gute Chance, um Fernsehen auch in Zukunft als Kultur- und Wirtschaftsgut zu sichern.“ Die Regeln sollen unabhängig davon gelten, ob Programme beispielsweise über Satellit, Kabel oder Internet übertragen werden.

Die kulturelle Vielfalt der europäischen Fernsehlandschaft soll ebenso sichergestellt werden wie ein wirksamer Jugend- und Verbraucherschutz. Beim Jugendschutz wird erstmals eine freiwillige Selbstkontrolle festgeschrieben. Menschen, die Schwierigkeiten beim Sehen und Hören haben, sollen einen besseren technischen Zugang zu Fernsehinhalten bekommen.

EU-Staaten können die umstrittene Platzierung von Produkten in Serien, Spielfilmen und Sportsendungen erlauben, um ihre jeweiligen Anbieter im Wettbewerb mit Konkurrenten aus China, Indien und den USA gleichzustellen. Der Anbieter muss sicherstellen, dass der Zuschauer die Produktplatzierung erkennt. Darauf muss zu Beginn und am Ende und nach jeder Werbepause hingewiesen werden. Sender dürfen alle 30 Minuten das Programm für einen Werbeblock unterbrechen. Für Kinder- und Nachrichtensendungen gelten die Ausnahmen nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%