Ringen um Beerdigung der Saddam-Söhne
Iraker töten fünf US-Soldaten

Die Serie der tödlichen Angriffe auf US-Soldaten im Irak reißt nicht ab. Bewaffnete Iraker töteten am Wochenende bei zahlreichen Attacken gegen die US-Truppen mindestensfünf US-Amerikaner. Für weitere Unruhe sorgten außerdem ein Zwischenfall an den heiligen Stätten der Schiiten in Kerbela und das Ringen um die Beerdigung der beiden getöteten Saddam-Söhne Kusai und Udai.

dpa BAGDAD/KAIRO. Wie das US-Zentralkommando mitteilte, starb bei einem Panzerfaust- Angriff auf eine Patrouille in der Nähe der Stadt Hilla am Sonntagmorgen ein amerikanischer Soldat, ein zweiter wurde verletzt. Bei einer Attacke mit Handgranaten seien am Samstag vor einem Kinderkrankenhaus in der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba außerdem drei weitere Soldaten ums Leben gekommen. Augenzeugen berichteten dem arabischen TV-Sender El Dschasira ein vierter Soldat sei später seinen schweren Verletzungen erlegen. Am Samstag war zudem bei einem Überfall mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrraketen in Abu Ghureib westlich von Bagdad ein US-Soldat ums Leben gekommen.

In Bagdad wurden am Sonntag nach Meldungen von El Dschasira außerdem zwei US-Soldaten und fünf irakische Studenten verletzt, als eine Handgranate aus einem oberen Stockwerk einer Religionsakademie auf sie geworfen wurde.

Ein Vertreter der US-Verwaltung bestätigte, dass gegen vier US- Militärpolizisten Untersuchungen wegen des Verdachts der Misshandlung von irakischen Gefangenen eingeleitet worden seien. „Es gibt Untersuchungen wegen Amtsmissbrauchs“, sagte er. „In diesem Stadium kommentieren wir das aber nicht weiter“, fügte er hinzu.

Unterdessen erklärte ein Stammesführer des Bu-Nasir-Clans, dem die Familie des gestürzten Machthabers Saddam Hussein angehört, er habe die Amerikaner gebeten, ihm die Leichen von Udai und Kusai zu übergeben. Er wolle sie beerdigen. „Ich habe nichts mit Politik zu tun, sondern tue nur das, was die Stammesregeln und der Islam vorschreiben„, sagte Scheich Mahmud Nada dem Fernsehsender El Dschasira. Die Amerikaner hätten seine Anfrage zunächst abgelehnt.

Unruhen in Kerbela

Die US-Verwaltung in Bagdad erklärte, sie berate noch mit dem neuen irakischen Regierungsrat und verschiedenen Geistlichen darüber, was mit den Leichen geschehen solle. Auch ein Verwandter von Udai und Kusai in London habe wegen der Leichen angefragt.

In Kerbela kam es in der Nacht zum Sonntag nach Angaben des arabischen TV-Senders El Dschasira zu Unruhen, nachdem US-Soldaten in der Nähe eines Schreins aufgetaucht waren, der den schiitischen Muslimen heilig ist. Laut El Dschasira wollten die Soldaten für Ruhe sorgen, nachdem bewaffnete Iraker mehrere Menschen verletzt hatten. Augenzeugen sagten dem Sender, die Amerikaner hätten einen Iraker getötet und neun weitere verletzt. In der Region ist inzwischen ein offener Machtkampf zwischen den Anhängern verschiedener schiitischer Religionsführer entbrannt. Dabei geht es auch darum, wie man mit den US-Soldaten umgehen soll.

Mehrere Länder wollen in den kommenden Wochen Soldaten in den Irak schicken. Thailand wird nach einem Bericht der Zeitung „Bangkok Post“ ab September 886 Techniker und medizinisches Personal entsenden. Das japanische Parlament billigte in der Nacht zum Samstag die Entsendung einer noch nicht festgelegten Zahl von Soldaten in den Irak. Am Samstag machte sich ein bulgarisches Vorauskommando von später 500 Mann auf den Weg in den Irak.

Bundespräsident Johannes Rau sagte der „Welt am Sonntag“, Deutschland solle sich am Wiederaufbau und der Demokratisierung des Irak beteiligen, wenn dies von den Vereinten Nationen oder einer neuen irakischen Regierung gewünscht werde. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte der tschechichen Zeitung „Pravo“ zur Frage eines UN- Mandats für eine internationale Stabilisierungstruppe im Irak, man sei „einer Entscheidung noch nicht nahe“.

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