Ringen um Einfluss
Wettstreit um das Öl am Kaspischen Meer

Zwischen Russland und den USA verschärft sich der Kampf um die weltweiten Energieressourcen. Während sich Washington inzwischen verstärkt um Kasachstan und Aserbaidschan bemüht, rammt Moskau Pflöcke in Turkmenistan und Usbekistan ein. Dabei geht es um die reichen Erdgas- und Erdölvorkommen rund um das Kaspische Meer. Die Europäer drohen außen vor zu bleiben.

BERLIN. Im Ringen um die Rohstoffe sind die USA inzwischen offenbar auch bereit, demokratische Standards außer acht zu lassen: So kritisierte US-Vizepräsident Dick Cheney zwar den Kreml scharf, er setze Energielieferungen ein, um Nachbarländer zu „erpressen“ und Druck auf sie auszuüben. Dafür lobte er bei seinem jüngsten Kasachstan-Besuch die „sichtbaren Errungenschaften“ des dortigen Regimes. Dies löste auch in amerikanischen Medien Verwunderung aus. Denn Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten die jüngste Wahl, bei der Präsident Nursultan Nasarbajew im Amt bestätigt wurde, heftig kritisiert: Der Urnengang habe demokratischen Standards nicht entsprochen. Das gleiche Urteil fällte die OSZE über die jüngsten Parlamentswahlen in Aserbaidschan. Präsident Ilham Alijew hatte sein Amt im Oktober 2003 von seinem inzwischen verstorbenen Vater übernommen. Vergangene Woche empfing er erstmals seinen US-Amtskollegen George W. Bush.

Die USA zeigen damit Flagge in einer Region, die für das erklärte Ziel, die eigene Ölversorgung auf eine breitere Basis zu stellen, von entscheidender Bedeutung ist. In Kasachstan ist mit Chevron bereits ein US-Multi an der Ölförderung beteiligt. In Aserbaidschan hat BP mit Rückendeckung Washingtons die bisher größte Ölexportpipeline von Baku über Georgien ins türkische Ceyhan gebaut. Nun soll auch kasachisches Öl, das bisher noch in großen Mengen über Russland ans Schwarze Meer gepumpt wird, an Russland vorbei über Aserbaidschan ans Mittelmeer gebracht werden.

Kasachstan ist mit einer täglichen Ölförderung von einer Mill. Barrel (je 159 Liter) bisher nach Russland der zweitgrößte Ölproduzent unter den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. In Russland und in Kasachstan rechnet die Internationale Energieagentur mit einer Verdreifachung der Produktion in zehn Jahren.

Die „Moscow Times“ spricht wegen des Wettrennens zwischen dem Westen und Russland und die Region bereits von einem „neuen Great Game“: Anfang des 20. Jahrhunderts hatten schon einmal britische Ölfirmen mit Russland um die Vorherrschaft am Kaspischen Meer gerungen – bis die Oktoberrevolution und die Errichtung der Sowjetunion dem Wettstreit ein Ende setzten. „Heute ist das Kaspische Meer eine der letzten Fronten im Energiekrieg“, meint Ariel Cohen von der amerikanischen Heritage Foundation.

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