Risiken des billigen Geldes
BIZ-Chef warnt vor Dollar-Flut

Mit ihrer Politik des billigen Geldes wollen Staaten und Zentralbanken, insbesondere die US-Notenbank, die Krise bekämpfen. Doch dies könnte dem Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub gleichkommen, warnt Jaime Caruana. Der ist nicht irgendwer, sondern immerhin der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
  • 0

HB BERLIN. "Niedrige Zinsen und üppige Liquidität schaffen natürlich auch Risiken", sagte Caruana der "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht vom Samstag. So würden etwa Kredite verlängert, die eigentlich abgeschrieben werden müssten. "Niedrige Zinsen bestrafen zudem die Sparer und Institutionen, die die Ersparnisse verwalten wie Pensionsfonds oder Versicherungen", sagte Caruana. Er räumte allerdings ein, derzeit sei es für die Notenbanken schwer, den richtigen Kurs in der Geldpolitik zu finden: "Wir stecken in einem Dilemma."

Die US-Notenbank (Fed) hatte zur Ankurbelung der Wirtschaft jüngst ein weiteres Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar aufgelegt. Deutschland und China warnten daraufhin vor der Gefahr neuer Spekulationsblasen an den Finanzmärkten durch eine Liquiditätsschwemme. Das Thema dürfte den Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Donnerstag und Freitag in Südkorea beschäftigen.

BIZ-Generaldirektor Caruana mahnte eine stärkere internationale Kooperation an. "Wir brauchen eine sehr offene Diskussion darüber, wie sich nationale Politik auf den Rest der Welt auswirkt, und mehr gegenseitige Rücksicht", sagte er. "Manche Länder sparen zu viel, andere zu wenig. Das kann kein Dauerzustand sein", sagte er. China schlug Caruana vor, durch eine Reform der sozialen Sicherungssysteme den Binnenkonsum anzuregen, um weniger abhängig vom Export zu sein. Westliche Staaten werfen der Volksrepublik vor, die heimische Währung künstlich niedrig zu halten und sich damit unfaire Handelsvorteile zu verschaffen.

Die USA forderte Caruana auf, sie sollten ihre Augenmerk auf die hohen Staatsschulden legen und "ein glaubwürdiges Programm zur Haushaltssanierung" auflegen. Die 1930 gegründete BIZ mit Sitz in Basel ist die älteste internationale Finanzinstitution. Da sie einen großen Teil der Währungsreserven der Zentralbanken in aller Welt verwaltet, wird sie auch Notenbank der Notenbanken genannt.

Kommentare zu " Risiken des billigen Geldes: BIZ-Chef warnt vor Dollar-Flut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%