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Risiken für Deutschland: Die wahren Kosten der Griechenland-Rettung

Die Griechen-Rettung könnte teuer werden – auch für Deutschland. Sagen Experten. Doch nichts Genaues weiß man nicht. Handelsblatt Online schlägt eine Schneise in das wilde Dickicht von Fakten und Vermutungen.

Auf einer Griechenlandfahne liegen Euro-Münzen. Quelle: dpa
Auf einer Griechenlandfahne liegen Euro-Münzen. Quelle: dpa

BerlinIst die Griechenland-Krise noch beherrschbar oder ufert sie aus – mit unabsehbaren Kosten für alle Beteiligten? Dass die Krise auch Deutschland in Mitleidenschaft ziehen könnte, deutete sich schon im Sommer an, als die Ratingagentur Moody's mit dem Entzug der Bestnote drohte. Der Grund dafür, liegt auf der Hand: Die Euro-Rettung im Allgemeinen und die Griechenland-Rettung im Besonderen werden zu einer immer größeren Belastung für Europas größte Volkswirtschaft, sofern eine Kehrtwende weiter auf sich warten lässt.

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Vor diesem Hintergrund suchen die Euro-Retter heute eine Lösung für Griechenland. Das ist ein schwieriges Unterfangen, da es bei einem Spitzentreffen in Brüssel zunächst darum gehen soll, den Streit zwischen den Euro-Finanzministern und dem Internationale Währungsfonds (IWF) darüber beizulegen, wie Griechenlands Schuldenberg auf lange Sicht auf ein tragfähiges Maß abgebaut werden kann. Vorher kann die Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) kein grünes Licht geben für die Auszahlung weiterer voraussichtlich 44 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfsprogramm von insgesamt 130 Milliarden Euro.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

  • Renten

    Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

  • Arbeitnehmer

    Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

  • Staatsbedienstete

    Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

  • Gesundheitswesen

    Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

  • Gehaltskürzungen

    Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

  • Kindergeld

    Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

  • Rentenalter

    Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Darüber hinaus suchen die Minister eine Verständigung, wie eine akute Finanzlücke von knapp 14 Milliarden Euro bis 2014 gedeckt werden kann, die aus einer Streckung der kurzfristigen Haushaltsziele für Griechenland resultiert. Dabei wird es, wie die Bundesregierung sagt, wohl zu einem Maßnahmen-Mix kommen. Wie auch immer entschieden wird, für Deutschland werden die Lasten größer je länger die Griechenland-Rettung dauert.

Wie hoch die tatsächlichen Griechenland-Kosten für Deutschland sind, kann allerdings seriös niemand beziffern. Und auch mögliche Folgen für Anleger und Steuerzahler sind nicht konkret benennbar. Das hängt damit zusammen, dass sehr viele Zahlen aus verschiedenen Quellen auf dem Markt sind. Direkte Auswirkungen der Rettungskosten sind derzeit ohnehin nicht zu erwarten. Teuer wird das Ganze für den Steuerzahler erst, wenn die Griechen pleitegehen und Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Dann wären große Geberländer wie Deutschland mehr als andere betroffen. Bislang verdient der Bund mit den Stützungsmaßnahmen sogar Geld. Auf die Kredite aus dem ersten Hilfspaket, an denen Deutschland mit 15,17 Milliarden Euro beteiligt ist, zahlt Griechenland Zinsen. Bisher bekam Deutschland 300 Millionen Euro aus Athen überwiesen.

Politiker zu Griechenland „Gestreut, erfunden, konstruiert“

  • Politiker zu Griechenland: „Gestreut, erfunden, konstruiert“
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Damit lässt sich eines zumindest sicher sagen: Bisher sind keine Kosten der Griechen-Rettung entstanden. Alles andere unterliegt diversen Szenarien (Staatsbankrott, Austritt aus der Euro-Zone, weiterer Schuldenschnitt oder drittes Griechenland-Hilfsprogramm), die eintreffen können, aber nicht müssen und den finanziellen Risiken, die sich davon ableiten lassen. Und hier fangen die Probleme an. Denn sowohl Ökonomen als auch Verbände und Politiker machen je unterschiedliche Rechnungen auf, wie der folgende Überblick zeigt:

145 Kommentare

Alle Kommentare lesen
  • 20.11.2012, 09:53 Uhrkarstenberwanger

    "Die Griechen-Rettung könnte teuer werden – auch für Deutschland. Sagen Experten."

    LOOOOOOOL Was jede Dorftrulla bereits seit Jahren weiss, fällt jetzt "Experten" auf :D Es wird echt immer besser hier...

  • 20.11.2012, 09:58 UhrFredi

    "Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen"

    Wäre das nicht auch eine Blaupause für Deutschland? Somit könnte man die Macht der Gewerkschaften hierzulande brechen, bräuchte keine Leiharbeiter mehr, Kundigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub usw alles wäre verhandel- und damit absenkbar.
    Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde enorm steigen, die Erträge der Unternehmen wieder auf einem guten Weg.

  • 20.11.2012, 10:16 UhrRob Roy

    Diese angeblichen "enormen Kosten" der Griechenrettung müssen ja, wenn man saldenmechanisch denkt, irgendwo auch Einnahmen erzeugen. Bei wem eigentlich?

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