Robert M. Solow, Begründer der modernen Wachstumstheorie, wird am Montag 80 Jahre alt
Produktive Nachbarschaft

Womöglich liegt es an der Institutsverwaltung, dass aus Robert M. Solow ein Ökonom von nobelpreiswürdigem Format wurde: Eigentlich hatte er sich schon auf Wirtschaftsstatistik spezialisiert, als er 1949, mit 25 Jahren, eine Assistenzprofessur am Massachusetts Institute of Technology (MIT) übernahm. Dort trat dann ein, was Solow einen „geographischen Zufall“ nennt: Man gab ihm ein kleines Büro direkt neben Paul Samuelson, der damals bereits sein berühmtes Ökonomie-Lehrbuch verfasst hatte.

BERLIN. Der enge Kontakt mit Samuelson, so resümierte Solow später, habe ihn zur „eigentlichen“ Wirtschaftswissenschaft zurückgeführt: „Der Makroökonom in mir meldete sich zu Wort.“

Was den Einfluss dieser Umstände auf seinen Nobelpreis betrifft, muss es freilich bei einer Vermutung bleiben. Immerhin hat das Preiskomitee gerade in jüngerer Zeit mehrfach auch herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Statistik und Ökonometrie honoriert. Tatsache ist aber: Wenn Solow am heutigen Montag seinen 80. Geburtstag feiert, hat er keinen Grund, den Zufall zu bedauern. Mit seiner Theorie über die Bedeutung des technischen Fortschritts für das Wirtschaftswachstum hat er etwas geschaffen, das heute zum Kern der Volkswirtschaftslehre gehört. Sie lieferte, ähnlich der keynesianischen Makroökonomik, nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt der Wissenschaft, sondern zudem gutes Anschauungsmaterial zur ökonomischen Theoriebildung.

Solow hat mit seiner bereits 1956 entworfenen neoklassischen Wachstumstheorie gewissermaßen einen optimistischeren Zugang zur Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung geschaffen, nimmt man die keynesianische Theorie zum Maßstab, die vor allem auf die akuten Krisenphänomene der „Great Depression“ zielte. Zwar steht auch Solow, ganz in Tradition des MIT, einer aktiven Konjunktursteuerung aufgeschlossen gegenüber. Doch konnte er mit ungeahnter Präzision zeigen, dass Konjunktur – sprich: Schwankung der Nachfrage – nicht alles ist, was die Wirtschaft bewegt. Sein Modell besagt: Zum einen haben kapitalistische Volkswirtschaften trotz aller realen Verwerfungen eine Tendenz zur Stabilität. Zum anderen haben arme Länder genau deshalb gute Chancen, zu den reichen Ländern aufzuschließen.

Erst viel später entstanden durch neue Ausarbeitungen zur Rolle des technischen Fortschritts Varianten seiner Theorie, die insbesondere mit Blick auf den zweiten Aspekt erheblich skeptischer sind.

Dass technischer Fortschritt überhaupt so stark ins Zentrum ökonomischer Forschung rückte, ist jedoch Solows Verdienst. Er zeigte bereits 1957 mit seinem neuen Modell, dass sieben Achtel des US-Wirtschaftswachstums seit der Jahrhundertwende eben darauf zurückzuführen seien. Verstärkt wurde der wissenschaftliche Diskurs darüber freilich durch eine Eigenschaft seines Modells, die vielen Forschern als Unzulänglichkeit erschien.

Seite 1:

Produktive Nachbarschaft

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%