Robertson: "Afghanistan muss ein Erfolg werden"
Nato denkt an 32 Wiederaufbau-Teams

Die Nato plant, in Afghanistan bis zu 32 regionale Wiederaufbauteams (PRT) einzusetzen. Das hat das Handelsblatt aus Nato-Kreisen erfahren. Voraussetzung ist, dass sich genügend Nato-Staaten bereit finden, Soldaten zu stellen. Damit ist für die Bundeswehr am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul keine Entlastung in Sicht.

BERLIN. Deutschland baut zur Zeit in Kundus ein PRT-Team, für das rund 230 Soldaten eingesetzt werden. Würde das deutsche Modell auf die 32 geplanten PRT-Einheiten übertragen, könnte sich der Mehrbedarf auf über 6 000 Soldaten für Afghanistan belaufen. Die Nato-Verteidigungsminister wollen sich mit dem Thema bei ihrem Treffen am Montag in Brüssel beschäftigen.

Gleichzeitig droht der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul eine unwillkommene Mehrbelastung. „Wir haben bislang keine klaren Signale, dass uns ein anderer Nato-Partner bei der Verwaltung des Flughafens ablösen wird“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam zum Handelsblatt.

Der Flughafen Kabul ist die zentrale Drehscheibe für die ISAF-Truppen in Kabul, da der Militärflughafen in Bagram nahezu ausschließlich von den USA genutzt wird.

Ursprünglich war für die Flughafenaufsicht in Kabul ein sechsmonatiger Wechsel zwischen den Nato-Truppen vereinbart worden. Jetzt geht man in Bundeswehrkreisen jedoch davon aus, dass die über 200 dafür abgestellten deutschen Soldaten über den Februar 2004 hinaus bleiben müssen. Ähnlich prekär sieht es bei der Bereitstellung von Transporthubschraubern aus. Die Bundeswehr möchte die drei CH53-Hubschrauber abziehen, die sie dort unterhält. Doch auch dafür will kein Nato-Land Ersatz leisten.

Immerhin aber kann die Bundeswehr mit Truppenunterstützung bei ihrem Kundus-Einsatz rechnen. Die Niederlande, Belgien, Finnland, Italien und Kanada wollen eigene Soldaten dorthin entsenden. Im Moment teilt sich das deutsche Vorauskommando noch das Camp mit den amerikanischen Truppen, die von dort abziehen werden. Bereits Ende des Jahres soll dann die operative Führung des Einsatzes in Kundus von Kabul aus erfolgen. Ein ehrgeiziges Ziel, heißt es durchaus selbstkritisch bei der Bundeswehr. „Aber bislang liegen wir im Plan“, sagt das Einsatzführungskommando.

Dennoch wird hinter den Kulissen heftig darum gerungen, dass Afghanistan auch tatsächlich „nach Plan“ verläuft. Der scheidende Nato-Generalsekretär George Robertson hatte erst kürzlich gemahnt, Afghanistan müsse ein Erfolg werden. Immerhin stehe die Glaubwürdigkeit der Nato auf dem Spiel. Robertson wollte damit ganz offensichtlich einem möglicherweise nachlassenden Engagement der Nato-Partner entgegenwirken.

Diskutiert wird in der Nato auch, ob die optimistischen Beurteilungen des Programms zur Entwaffnung zutreffen. Zwar liegt die Zahl der eingesammelten Waffen über den Erwartungen. Doch muss die Rückgabe nicht unbedingt auch eine tatsächliche Verringerung der Bestände bedeuten. „Jeder, der seine Waffe abgibt, bekommt dafür Geld“, sagt Conrad Schetter von der Universität Bonn. „Und diese Summe liegt zumeist über den Kosten für den Erwerb einer neuen Waffe“. Und die gibt es auf den Basaren in Afghanistan nahezu überall problemlos zu kaufen.

Immerhin aber haben die Scharmützel der Warlords untereinander in den letzten Wochen abgenommen. Dafür bleibt aber die Sicherheitslage in den Südostprovinzen angespannt. „Dort ist es gleichbleibend schlecht“, sagt Schetter.

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