Rodrigo Duterte
Ein Liebeslied für Donald Trump

Der US-Präsident zelebriert auf seiner Asienreise die Männerfreundschaft zu anderen Staatschefs. Auch bei dem brutalen Staatschef der Philippinen hat er keine Berührungsängste. Für die USA könnte sich das aber rächen.
  • 14

BangkokDer philippinische Präsident Rodrigo Duterte, der für einen brutalen Antidrogenkrieg mit Tausenden Toten verantwortlich ist und seine Gegner gerne als Hurensohn beschimpft, zeigt beim Besuch von Donald Trump plötzlich eine charmante Seite: Im cremefarben Festtagshemd begibt sich der für seine rabiaten Äußerungen bekannte Politiker bei einem Staatsempfang in Manila an das Mikrofon – und schlägt ausnahmsweise sanfte Töne an: „Du bist das Licht in meiner Welt“, singt er in seiner Landessprache. Am Ende des Liebesliedes lässt er sein Publikum wissen: „Ich habe das Lied auf Wunsch des Oberbefehlshabers der Vereinigten Staaten vorgetragen.“

Für Donald Trump, der auf der für seine Verhältnisse außergewöhnlich harmonischen Asienreise bereits mit Japans Premier Shinzo Abe Cheeseburger aß und Chinas Präsidenten Xi Jinping als „einen ganz besonderen Mann“ bezeichnete, ist der letzte Stopp auf den Philippinen der krönende Abschluss einer Reihe von öffentlichkeitswirksam inszenierten Männerfreundschaften.

Bei einem bilateralen Treffen mit Duterte am Rand des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean lobte der US-Präsident die „herausragende Beziehung“ zwischen den Philippinen und den USA. Vermutlich mit Blick auf die Gesangseinlage seines Amtskollegen fügte er hinzu: „Die Show war fantastisch, du warst fantastisch.“

Auf den ersten Blick sind die guten Beziehungen, die Trump auf seiner Reise knüpfte, durchaus als Erfolg zu werten. So wurde noch seinem Vorgänger eine deutlich weniger zuvorkommende Behandlung zuteil: Als Barack Obama vor einem Jahr zur letzten China-Reise seiner Präsidentschaft in der Metropole Hangzhou landete, stellten die Gastgeber nicht einmal eine Flugzeugtreppe bereit. Obama musste den Notausgang durch den Flugzeugbauch nehmen. Ob Absicht oder Versehen – der Vorfall am Flughafen wurde als Symbol der Geringschätzung für den US-Präsidenten gewertet.

Mit Duterte hatte Obama sogar noch größere Schwierigkeiten. Beim Asean-Gipfel vor einem Jahr fiel ein geplantes Treffen zwischen den beiden Präsidenten aus, nachdem Duterte verbal ausfällig geworden war. „Hurensohn, ich werde dich bei diesem Forum verfluchen“, kündigte Duterte an, weil sich Obama bei dem Treffen kritisch über die massiven Menschenrechtsverletzungen auf den Philippinen äußern wollte. „Wenn du das tust, werden wir uns wie Schweine im Matsch wälzen“, warnte Duterte.

Der 72-Jährige, der seit Mai 2016 regiert und zuvor wegen seines populistischen Anti-Establishment Wahlkampfs als „Donald Trump Asiens“ bezeichnet wurde, hat möglichst große Brutalität gegen angebliche Drogenkriminelle zum Kern seiner Präsidentschaft gemacht.

Er werde Tausende Verbrecher töten und ihre Leichen in die Bucht von Manila werfen, kündigte er vor seiner Wahl an. Tatsächlich wurden seit Dutertes Amtsantritt mehr als 12.000 Verdächtige von der Polizei oder selbsternannten Bürgerwehren getötet – mit ausdrücklicher Billigung von Präsident Duterte.

Seite 1:

Ein Liebeslied für Donald Trump

Seite 2:

Trumps pragmatische Außenpolitik

Kommentare zu " Rodrigo Duterte: Ein Liebeslied für Donald Trump"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Apropos DROGENMONOPOL:
    Besondersd verheerend ist es, wenn das Monopol der Kriminellen von (ausländischen) staatlichen Geheimdiensten und Militärs gesichert wird wie in Afghanistan (am Hindukusch wird tatsächlich also auch ein Drogenmonopol verteidigt!):
    http://www.huffingtonpost.de/gregor-schulmeister/wie-die-cia-afghanistan-opiumsuchtig-machte_b_8203764.html

  • Die Kriminalität in Deutschland ist schon lange nicht mehr zu besiegen. Das ist wohl unstrittig und das Staatsversagen von Merkel verursacht nach Vorbereitung von ROT/GRÜN steht. In den Gefängnissen wie z.B in Hamburg haben Gangs das sagen und nicht das Personal . Großfamilien vor Gericht beschimpfen ihre Opfer und drohen mit Mord. Alles nicht so schlimm , der ROT/GRÜNE Senat hat
    immer noch ein Herz für diese Leute und muss das auch. Denn die Macht von Großfamilien ist zu groß ,die zu ihren Kriminellen Energien noch ein Zubrot von Hartz 4 bekommen natürlich ohne Überprüfung. Wer will schon bei einer Großfamilie klingeln und die kontrollieren , dass macht man bei Alleinerziehenden

    Das die FDP und die Grünen nun ein" Cannabis Kartell " gegründet haben, spricht für Jamaika . Ihre und unseren Kinder das Zeug frei anbieten ist doch toll, vielleicht schon Weihnachten unter den Weihnachtsbäumen. Frohe Weihnachten .

  • In diesem Punkt stehen sich sich die Libertären einerseits und die Konservativen andererseits, die insbesondere, was die ökonomische Freiheit betrifft, ähnlich denken, am unversöhnlichsten gegenüber. Das beste Beispiel ist in den USA der libertäre ehemalige Kongressabgeordnete Ron Paul, der den (wert-)konservativen Republikanern angehört, aber eine freiheitliche Drogenpolitik befürwortet.
    Als Libertärer muss man jedoch diesem Ökonomen beipflichten, der exakt richtig beschreibt, dass man den kriminellen illegalen Drogenanbietern ihr MONOPOL wegnehmen muss:
    https://orange.handelsblatt.com/artikel/32321

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%