Rösler bietet Hilfe an
Das nächste Mal soll Bangkok dicht bleiben

Nach den verheerenden Fluten 2011 erholt sich Thailand langsam wieder. Deutsche Unternehmen sollen dabei helfen, dass Bangkok nicht wieder überschwemmt wird. Hilfe soll auch von Bundeswirtschaftsminister Rösler kommen.
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BangkokLangsam, ohne Wellen, aber mit der Wucht eines der mächtigsten Gewässer Asiens, windet sich der braungraue Chao Phraya durch Ayutthaya. Die Bewohner der Stadt zwei Stunden nördlich von Bangkok blicken mit wachsender Sorge auf ihren Fluss. Der Pegel steigt, in mehreren Kanälen ist Wasser über die Ufer getreten. Aus 15 Provinzen Thailands melden Behörden erste Überschwemmungen. Reisfelder stehen unter Wasser.

Trotzdem: es bestehe kein Grund zur Panik, heißt es von offizieller Seite, keine Gefahr, dass Ayutthaya wieder untergehe, wie im letzten Jahr. Es seien nur die jüngsten Niederschläge für den Anstieg verantwortlich. „Mindestens 17 heftige Regenstürme“ würde es in den nächsten Wochen noch brauchen, um dieselbe Menge an Wasser zu produzieren, mit der Bangkok damals konfrontiert war, meint ein hoher Offizieller.

Damals, als der Stadt buchstäblich der Untergang drohte. Damals, als der mächtige Chao Praya die nördlichen Stadtgebiete überflutete und nur mit Millionen Sandsäcken davon abgehalten werden konnte, auch das Zentrum unter Wasser zu setzen, und das Herz der thailändischen Wirtschaft zum Stillstand zu bringen. „Ich kann nicht sagen, ob es dieses Jahr Überflutungen geben wird oder nicht“, meint Royol Chitdon vom Wasser und Flutmanagement-Komitee in einem Interview. „Ich kann nur sagen, dass wir eine geringe Chance haben, eine Situation wie im letzten Jahr zu erleben“.

Deutschland und Thailand wollen jedenfalls beim Hochwasserschutz enger zusammenarbeiten. Auch deshalb ist Philipp Rösler (FDP) in Thailand. Der Bundeswirtschaftsminister und der stellvertretende thailändische Premierminister Kittiratt Na-Ranong unterzeichneten heute eine entsprechende Absichtserklärung. Die Vereinbarung sieht nicht nur einen regelmäßigen Informationsaustausch vor sondern auch eine technische und wirtschaftliche Kooperation.

Laut Statistik hätten sich vor einem Jahr acht Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Norden den Weg an den Golf von Thailand im Süden gesucht – um und durch die Stadt Bangkok. Diesmal sei es „nur eine Milliarde Kubikmeter“, beruhigt er. Tatsächlich sollen damals nicht unmittelbare Regenfälle für die Katastrophe verantwortlich gewesen sein, sondern vor randvolle Rückhaltedämme, die sich in einer besonders langen und intensiven Monsunzeit bis zum Rand gefüllt hatten und - laut Kritikern - zu spät abgelassen worden waren.

Ein schwacher Trost in einer Zeit wachsender Sorge. Nicht nur unter der Bevölkerung, auch unter Vertretern ausländischer Unternehmen nimmt die Befürchtung zu, die von der Regierung von Premierministerin Yingluck Shinawatra eingeleiteten Maßnahmen würden zu langsam umgesetzt. Das „Projekt der sechs Mauern der Verteidigung“, nennt sie der thailändische Handelsminister Pongvas Svasti . Die erste „Mauer“ sind Hunderttausende von Hektaren neuer Baumpflanzungen, die im Norden von Thailand Wasser „aufsaugen“ sollen.

Die zweite sind 500 zusätzliche Dämme und Deiche, die dritte „Mauer“ die Ausgrabung von Sümpfen, damit sich in diesen mehr Wasser sammeln kann. In einem vierten Schritt werden Kanäle und Bewässerungssysteme vertieft, damit das Wasser schneller abfließt. Als fünfte Maßnahme werden Zugangsstraßen zu den Industriegebieten verbessert und erhöht, und als sechste „Mauer“ der Verteidigung sollen um diese Zentren industrieller Produktion bis zu sechs Meter hohe Deiche gezogen werden.

Bangkok ist größtenteils zwischen Sümpfen und Kanälen gebaut – die Aufgabe ist also enorm. Doch laut Pongvas schreiten die Arbeiten gut voran. Einige ausländische Beobachter zweifeln. Das Programm sei zwar „höchst willkommen“, meint der Vertreter eines europäischen Unternehmens in Bangkok. „Aber ich weiß nicht, ob die Regierung nicht überfordert ist“. Viele Firmen sind "auf Gedeih und Verderb" auf sofortige und wirksame Schutzmaßnahmen angewiesen. Denn nach den Milliardenschäden vom letzten Jahr haben sie keine Flutversicherung mehr. Die meisten Versicherer bezahlten zwar die Überschwemmungsschäden, strichen aber eine künftige Deckung aus den Verträgen.

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  • Die Quittung für ihre Hilsbereitschaft hat der Rössler und Deutschland bereits erhalten.Und es gibt auch sonst bessere Investitionen in Laos Myranmar oder Burma.

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