Roh Moo Hyun
Südkorea bestürzt über Freitod des Ex-Präsidenten

Der spektaktuläre Freitod des früheren südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun hat in seinem Heimatland große Bestürzung und Trauer ausgelöst. Die Berichte, nach denen sich der Ex-Staatschef eine Klippe herabgestürzt haben soll, wurden im ganzen Land ungläubig und gespannt verfolgt.

HB SEOUL. Auch die ehemaligen politischen Gegner des 62-Jährigen reagierten schockiert. Ungläubig und gespannt zugleich folgten am Samstag im ganzen Land die Südkoreaner vor Radios und Fernsehgeräten den Berichten, wonach sich der Ex-Staatschef durch den Sprung von einer Klippe das Leben genommen habe.

Noch laufen die Untersuchungen der Polizei zu den genauen Todesumständen. Doch für seine Landsleute ist klar: Roh handelte aus Verzweiflung. Der Verdacht der Korruption gegen den Ex-Präsidenten, der das höchste Amt mit dem Ruf des "Saubermanns" angetreten war, hatten seine Glaubwürdigkeit unterlaufen. Er habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen als den Freitod.

Zum Ende seines Lebens musste Roh nach Meinung von Beobachtern einen Gesichtsverlust hinnehmen, der in der noch sehr stark von konfuzianischen Werten geprägten südkoreanischen Gesellschaft sehr schwer gewogen habe. Ende April wurde er als dritter Ex-Präsident in der Geschichte Südkoreas von der Staatsanwaltschaft vernommen. Die anderen beiden - noch lebenden - ehemaligen Staatschefs, die ehemaligen Generäle Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo, standen teilweise für eine alte Politik der Unterdrückung, gegen die Roh sich Zeit seines Lebens auflehnte. Als Präsident war er mit der Absicht angetreten, mit der weit verbreitete Korruption aufzuräumen und den tief sitzenden politischen Regionalismus im Land überwinden zu wollen.

Roh, der während seiner Politikerkarriere oftmals die öffentliche Meinung gespalten hatte und mit seiner Offenheit angeeckt war, verschaffte sich auch am Ende mit seinem Tod keinen ruhigen Abgang. "Roh war eher gewitzt und menschlich als ernst und feierlich", sagte der 23-jährige Sänger Im Hyung Joo, der schon auf der Feier zum Antritt der fünfjährigen Amtszeit Rohs im Februar 2003 gesungen hatte, im Fernsehen. "Ich kann diese schockierende Nachricht noch immer nicht glauben." Ein 25-jähriger Student sagte mahnend: "Ermittler und die Medien sollten darüber nachdenken, dass Roh enorm gelitten haben muss, bevor er diese Entscheidung getroffen hat."

Die Ermittler wollten klären, ob Roh während seiner Amtszeit über seine Familie und Sekretäre Mio. Dollar von einem Geschäftsmann erhalten hat. Roh wies die meisten Vorwürfe zurück. "Ich fühle mich vor meinen Mitbürgern beschämt", sagte er. Roh hatte auf seiner Website zugegeben, dass seine Frau Kwon Yang Sook Geld von dem Schuhfabrikanten Park Yeong Cha angenommen hat, der im Mittelpunkt des Skandals steht. Park sitzt wegen des Vorwurfs der Bestechung von Amtsträgern in Untersuchungshaft. Roh schrieb, mit dem Geld an seine Frau sollten Schulden bezahlt werden. Er wies den Verdacht zurück, dass es sich dabei um Schmiergeld gehandelt habe. Von den Geldzuwendungen habe er erst nach dem Ende seiner Amtszeit erfahren. Am Samstag erklärte das Justizministerium, die Ermittlungen in dem Fall seien mit dem Tod Rohs abgeschlossen.

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