Rohölpreis zieht kräftig an
Unruhen stürzen Nigeria in die Krise

Nigeria steuert auf eine Zerreißprobe zu. Die religiösen Unruhen der vergangenen Tage und der andauernde Kampf um die Verteilung der Öleinnahmen vergrößern von Tag zu Tag die Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften und Volksgruppen des westafrikanischen Landes.

KAPSTADT. Neue Angriffe von Rebellen auf nigerianische Förderanlagen und Pipelines haben den Rohölpreis kräftig anziehen lassen.

Am Wochenende waren die Spannungen durch gewaltsame Übergriffe von Moslems auf Christen weiter verschärft worden. Die Ausschreitungen in den nördlichen Städten Maiduguri und Katsina, bei denen 50 Menschen getötet worden sein sollen, hatten sich an den umstrittenen Mohammed-Karikaturen entzündet. Die Christliche Vereinigung Nigerias (CAN) schloss am Dienstag Vergeltungsaktionen nicht aus. Die jüngsten Übergriffe auf Christen seien Teil eines Plans der Moslems, aus Nigeria einen islamischen Staat zu machen, sagte der anglikanische Erzbischof Peter Akinola.

In der Stadt Onitsha im Süden des Landes steckten demonstrierende Christen umgekehrt Moscheen in Brand und töteten Muslime. Die Christen suchten offenbar Rache für die jüngsten Übergriffe, hieß es. Einem Einwohner der Stadt zufolge suchten die Moslems bei der Armee Schutz, weil christliche Randalierer sie mit Buschmessern jagten.

Rund die Hälfte der 140 Millionen Nigerianer sind Moslems, die überwiegend im Norden des Landes leben. Die andere Hälfte sind Christen oder Anhänger anderer Religionen. Seit vor fünf Jahren in zwölf nigerianischen Bundesstaaten die islamische Scharia als alleinige Rechtsgrundlage eingeführt wurde, ist es im Norden immer wieder zu pogromartigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gekommen, die mehrere Tausend Todesopfer forderten.

Der vermeintliche Krieg der Religionen spiegelt jedoch auch den schleichenden Zusammenbruch des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas wider, in dem mehr als 250 verschiedene Volksgruppen leben. Staatliche Institutionen, die Konflikte zwischen den Ethnien entschärfen könnten, funktionieren nicht. Viele Menschen suchen deshalb Zuflucht in der Religion, die oft auch als eine Art Feigenblatt für den Kampf um die begrenzten Ressourcen herhalten muss.

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