
DÜSSELDORF. Das beginnt schon mit gut qualifizierten, möglichst englischsprachigen Kindergärtnerinnen und reicht hin zu Wissenschaftlern und Professoren als akademisches Lehrpersonal für die Wüstensöhne und zunehmend auch Wüstentöchter. Denn in ihrem Bestreben, künftig von teuren ausländischen Fachkräften unabhängiger zu werden, halten die Monarchen auch ihren weiblichen Nachwuchs an, die Schulbank zu drücken und Managementfertigkeiten, Ingenieurs-Know-how oder IT-Kenntnisse auf höchstem Niveau zu erlangen.
Die meist amerikanischen und britischen, inzwischen aber auch deutschen Unis expandieren gern an den Golf. Kein Wunder, schließlich bekommen sie einen modernen Campus auf dem Silbertablett serviert. Im Bildungsbereich sind Deutsche hochwillkommen. „Made in Germany zählt hier viel“, sagt Gabriele Mertens. Sie ist Generalsekretärin des deutschen Raphaels-Werks, das Auswanderer und von Firmen oder Organisationen entsandte Mitarbeiter zum Auslandseinsatz berät. „Deutsche werden sehr wegen ihrer Zuverlässigkeit und Gründlichkeit geschätzt“, sagt Mertens.
So konnte gerade in Maskat, der Hauptstadt von Oman – einem Sultanat im Südosten der Arabischen Halbinsel –, die German University of Technology (GUtech), ein Ableger der RWTH Aachen, ihren ersten Geburtstag feiern. Bislang besteht der Spross zwar nur aus zwei Häusern in der Nähe des Strandes und zählt rund 60 Studenten, schon in ein paar Jahren sollen dort aber rund 2 000 Hochschüler eingeschrieben sein.
Bei den Nachbarn am Persischen Golf dagegen heißt es nicht kleckern, sondern klotzen: Allen voran will der saudische König an seiner neuen Hochschule die internationale Wissenschaftselite versammeln. Er hat dazu 12,5 Mrd. Dollar bereitgestellt. Als einer der Pioniere hat die TU München eine Zusammenarbeit mit der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) vereinbart.
Das Glitzeremirat Dubai protzt gleich daneben mit seinem Knowledge Village. Herrscher Mohammed bin Rashid Al Maktoum hat trotz Kreditklemme eine Zehn-Mrd.-Dollar-Stiftung angekündigt, um Wissen und Forschung voranzutreiben und um noch unabhängiger vom Öl zu werden. Diese Einnahmequelle trägt laut der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft schon heute nur noch zu rund vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des fortschrittlichsten aller Ölproduzenten am Golf bei.
In Dubai wollen aber auch die Uni Erlangen-Nürnberg und die FU Berlin ihre Kontakte zum Gulf Research Center (GRC) ausbauen. Das ist eine wissenschaftliche Einrichtung mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaften. Zudem wird die Hochschule Wismar mit der Dubai Maritime Academy kooperieren.
Direkt vor der Haustür der Saudis hat außerdem Katar seine riesige Education City hochgezogen, um Computerexperten, Kaufleute, Ingenieure, Ärzte und sogar Diplomaten auszubilden. Mehrere amerikanische Hochschulen bieten dort schon Programme an – mit gleichen Aufnahmeverfahren und gleichen Abschlüssen wie in den USA. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wann auch deutsche Rektorenden finanziell lohnenden Bildungsexport in diesen Wüstenstaat verkünden.
Und schließlich kooperieren in Abu Dhabi, der Hauptstadt der insgesamt sieben VAE–Mitgliedsländer, die TU München und die Universität Bonn mit der Abu Dhabi University. Es soll eine medizinische Fakultät inklusive Uniklinik entstehen. Außerdem wird ein Forschungs- und Bildungszentrum im Verbund mit der RWTH Aachen errichtet.
Deutsche Privatlehrer, Uni-Dozenten, aber auch alle anderen Bildungsfachleute, die der Boom am Golf anlockt, müssen sich auf völlig andere Spielregeln als zu Hause einstellen.So ist das Engagement stets befristet.Aber nur, wer seine Zelte in Deutschland komplett abbricht, verdient zum Beispiel in den Emiraten steuerfrei. Entsendete Mitarbeiter dagegen, die ihre Wohnung behalten, müssen das am Golf verdiente Gehalt in Deutschland versteuern. Außerdem kennt der arabische Arbeitsmarkt weder gesetzliche Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- noch Unfallversicherung.Die eigene Vorsorge ist also gefragt. Und: Wer selbst kündigt, kann mit einem sechsmonatigen Arbeitsverbot belegt werden. Ausländer müssen zudem mit einem einjährigen Einreiseverbot rechnen.