Rohstoffe
Wettlauf um die Verteilung der Meere

Auf der Suche nach Rohstoffen wird die Erde weiter aufgeteilt - unter maßgeblicher Beteiligung der Europäer. Allen voran Frankreich und Großbritannien versuchen, sich in aller Eile rohstoffreiche Küstengebiete zur exklusiven Nutzung zu sichern. Doch die Hoffnung auf Milliardengeschäfte könnte schon bald durch massive Konflikte getrübt werden.

GENF/BERLIN. In den vergangenen Wochen hat nach Informationen des Handelsblatts ein Run auf die Vergrößerung national nutzbarer Küstengebiete von bisher 200 auf 350 Seemeilen eingesetzt. So hat Großbritannien einen Antrag für die Seegebiete um die Atlantik-Insel Ascension bei der in New York ansässigen Festlandsockelgrenzkommission (FSGK) eingereicht - als Auftakt für weitreichende Ansprüche.

Frankreich will sich Gebiete sichern, die dreimal so groß sind wie das Territorium Deutschlands. Aber auch kleinere Länder wie die Bermudas beanspruchen alleinige Wirtschaftsnutzungsrechte in einer erweiterten 350-Meilen-Zone. "Wir rechnen mit weiteren Eingaben", sagt Vladimir Jares, Uno-Seerechtsexperte, dem Handelsblatt. An die 50 Staaten stehen bereit, so die Schätzung.

Auslöser des Rennens ist zum einen die Hoffnung auf ein Milliardengeschäft mit der wirtschaftlichen Nutzung der Meeresböden. Angesichts steigender Rohstoffpreise rücken zunehmend Vorkommen ins Blickfeld, deren Erschließung bisher zu teuer und kompliziert war. Zum anderen läuft für viele Unterzeichner des internationalen Seerechtsabkommens 2009 die Frist aus, bis zu der sie noch Gebietsansprüche bei der FSGK anmelden können.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) weist etwa auf die vor allem in Küstengebieten zu findenden Vorkommen an Gashydrat hin, dem "gefrorenen Erdgas". "Die insgesamt in Gashydrat gebundenen Erdgasmengen sind gewaltig und übersteigen die konventionellen Erdgasmengen um ein Mehrfaches", sagte die BGR-Expertin Snjezana Zaric (siehe Karte). Vor der Küste Brasiliens wurden außerdem neue große Öllager entdeckt. Bereits im vergangenen Jahr hatte es heftige diplomatische Auseinandersetzungen um die Aufteilung der Arktis gegeben: Sowohl Russland, Norwegen, Kanada und Grönland beanspruchen die wirtschaftlichen Nutzungsrechte für die Meeresböden im nördlichen Polarkreis. Denn allein in der Arktis lagern nach Angaben des US-Geological Survey rund 25 Prozent der weltweiten Vorkommen an fossilen Brennstoffen. Anders als in der Nordsee sind in der Arktis die sich überschneidenden Gebietsansprüche aber noch nicht geregelt. "Deshalb drohen massive Konflikte", prognostiziert Gernot Klepper, Umwelt- und Ressourcenexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Der Anmelde-Trend erfasst jetzt auch Gebiete vor "unstrittigen" Küsten. Denn nur wenn die FSGK einen Festlandsockel anerkennt, können sich Staaten exklusive Zugriffsrechte sichern. Prinzipiell kann jede Regierung, die das internationale Seerechtsübereinkommen ratifiziert hat, beantragen, ihre Meeresgebiete über die international gültige 200-Seemeilen-Zone auf 350 Seemeilen auszudehnen. Die Frist endet zehn Jahre nach der Ratifizierung - und damit für die meisten europäischen Staaten eben 2009. Die Voraussetzung für einen Zuschlag ist aber der Nachweis, dass das entsprechende Meeresgebiet geologisch zum eigenen Festlandsockel gehört.

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