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Rohstoffpreise: Wer profitiert – und wer Hunger leidet

Ob bei Zwiebeln, Kaffee oder Knoblauch: Naturkatastrophen auf der ganzen Welt treiben die Nahrungsmittelpreise kräftig in die Höhe. Davon profitieren einige Länder. Experten fühlen sich an das Krisenjahr 2008 erinnert - und warnen eindringlich vor Hungerrevolten.

Getreide: Viele Nahrungsmittelpreise haben sich verdoppelt. Quelle: dpa
Getreide: Viele Nahrungsmittelpreise haben sich verdoppelt. Quelle: dpa

GENF/DÜSSELDORF. Die Nahrungsmittelpreise steigen weltweit. Und das in einem immer rascheren Tempo. Angesichts dessen zeichnete der französische Wirtschaftsprofessor und Regierungsberater Philippe Chalmin ein alarmierendes Bild: Bis Ostern würden Hungerrevolten ausbrechen, warnte er. "Ich bin sehr besorgt", sagte er. Inzwischen ist klar: Die Warnungen des Fachmanns waren noch untertrieben. Die explodierenden Lebensmittelpreise lösten schon jetzt die ersten schweren Unruhen in Nordafrika aus: Bei Protesten in Algerien und Tunesien starben bislang mindestens zwei Dutzend Menschen; Hunderte wurden verletzt. Wütende Menschen griffen Regierungsgebäude in Algier an, plünderten Banken und Postfilialen. Eilig beschloss die Regierung daraufhin Einfuhrzölle und Steuern auf Zucker und Speiseöl zu senken.

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Für Weizen etwa müssen seit Anfang Juli fast 60 Prozent mehr bezahlt werden, für Soja auf Jahressicht 29 Prozent mehr. "Leider besteht das Potenzial, dass die Preise etwa für Korn weiter steigen", warnt Abdolreza Abbassian, Experte der Uno-Ernährungsorganisation FAO. Schon im November hatte die FAO auf die Gefahr neuer "Angebotsschocks" auf den Agrarmärkten hingewiesen.

Mit den jüngsten Zahlen ihres Preisindexes für die wichtigsten Grundnahrungsmittel verheißt die Ernährungsorganisation eine Zuspitzung der Situation: Das Barometer, das die Teuerung von Erzeugnissen wie Weizen, Reis, Korn, Zucker, Speiseöl und Milchprodukten anzeigt, schoss im Dezember auf den höchsten Stand seit seiner Einführung zu Beginn der 1990er-Jahre. Mit 214,7 Punkten liegt der Index jetzt sogar über dem Wert von Juni 2008. Damals, auf dem Höhepunkt einer weltweiten Lebensmittelkrise, erreichte der Index einen Wert von 213,5 Punkten.

Welche Folgen solch massive Preisschübe für Entwicklungs- und Schwellenländer haben, zeigte sich damals: In Südamerika, Afrika und Asien zogen 2007 und 2008 Hunderttausende zornige Menschen mit leeren Mägen durch die Straßen der Metropolen. Die Uno warnte, dass die "soziale, politische und ökonomische Stabilität" vieler Staaten der südlichen Halbkugel auf der Kippe stehe.

Im Jahr 2009 zählte die Weltorganisation deutlich mehr als eine Milliarde hungernder Menschen. Zwar ging die Zahl der Unterernährten im vergangenen Jahr laut FAO-Schätzungen auf 925 Millionen zurück. Doch die neuen Preisschübe drohen den Fortschritt wieder zunichte zu machen. "Angesichts dessen, dass alle sechs Sekunden ein Kind an den Folgen von Unterernährung stirbt, bleibt Hunger weiterhin die größte Tragödie weltweit", sagt Jacques Diouf, der Generaldirektor der FAO.

Getrieben wird die massive Teuerung vor allem von Naturkatastrophen in Agrarstaaten: Die Waldbrände in Russland, die anhaltende Dürre in Argentinien und nicht zuletzt die gigantischen Überschwemmungen in Australien vernichten Feldfrüchte - und verknappen das Angebot. Hinzu kommen langfristige Faktoren wie der wachsende Appetit der beiden Milliardenvölker China und Indien. Bis zum Jahr 2050 wird Schätzungen zufolge die Weltbevölkerung von heute rund 6,8 Milliarden auf 9,1 Milliarden Menschen steigen. Um alle satt zu bekommen, müsste die Lebensmittelproduktion laut FAO bis zur Mitte des Jahrhunderts um rund 70 Prozent steigen.

Fachleute bezweifeln, dass die hierfür nötige Produktionssteigerung realistisch ist. "Das ist eine schier unmögliche Aufgabe angesichts der stagnierenden Flächenausweitung und einer auf Produktionssteigerung ausgerichteten Landwirtschaft, die fast überall an ihre Grenzen stößt", warnt Jean Feyder, luxemburgischer Botschafter bei der Welthandelsorganisation. "Die Preise steigen erst einmal weiter", glaubt daher Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. "An den Getreidemärkten wird es zu weiteren Preisspitzen kommen", heißt es auch bei der Société Générale.

Experten befürchten, dass die Ausschreitungen in Nordafrika nur der Auftakt einer globalen Serie gewaltsamer Demonstrationen gegen die Teuerungen bei Lebensmitteln sind.

Brasilien: Gewinner der Preishausse


China: Teurer Knoblauch alarmiert Staatsbürokraten


Indien: Explodierende Zwiebelpreise treiben Regierung in die Enge


  • 11.01.2011, 13:45 UhrAnonymer Benutzer: Harry

    Finanzinvestoren jeglicher Art sollte die Spekulation mit Agrar-Futures und Agrarrohstofen strikt untersagt werden. ich kann die Empfehlungen von investments in Agrar-Rohstoffe nicht mehr hören. Sollen diese investoren in neue Anbauflächen investieren um die Ernteerträge zu steigern, aber nicht Weizen oder Mais in Lagern horten und auf Preisanstiege zu warten.

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