Rohstoffsegen könnte bald zum Fluch werden
Wachstumsmarkt Russland lockt deutsche Unternehmen an

Russland ist für deutsche Unternehmen nach wie vor der attraktivste Markt in Osteuropa. Kein Wunder: Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen seit drei Jahren konstant über der Marke von sechs Prozent. Doch nicht nur deutsche Firmen sehen mehr und mehr eine Zukunft in Russland.

tom MOSKAU. Russland ist für deutsche Unternehmen nach wie vor der attraktivste Markt in Osteuropa. Kein Wunder: Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen seit drei Jahren konstant über der Marke von sechs Prozent. In diesem Jahr hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose von anfänglich sechs Prozent sogar auf 6,5 Prozent erhöht. Die deutschen Einfuhren legten zu Jahresbeginn nach Angaben des Bundesamtes für Außenwirtschaft (BFAI) um mehr als 26 Prozent zu.

Doch nicht nur deutsche Firmen, die derzeit wichtigsten russischen Lieferanten, sehen mehr und mehr eine Zukunft in Russland: Das ebenfalls rasant wachsende China hat den russischen Markt entdeckt. Gut fünf Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen kommen aus dem Reich der Mitte. Von dort alleine flossen 700 Mill. Dollar ins Land. Im vergangenen Jahr lagen die ausländischen Direktinvestitionen bei über 13 Mrd. Dollar. Wie stark die russische Wirtschaft an Kraft gewonnen hat, zeigen umkehrt auch die russischen Direktinvestitionen im Ausland. Nach einer Studie der Economist Intelligence Unit kletterten diese in den Jahren seit 2000 von 20 Mrd. Dollar auf mehr als 120 Mrd. Dollar am Ende des Jahres 2005. Russland ist damit in der Gruppe der Wachstumsmärkte einer der drei aktivsten internationalen Investoren.

Motor für die guten Daten ist die starke Inlandsnachfrage, die im vergangenen Jahr durch Steuererleichterungen und insgesamt höhere Einkommen noch einmal angekurbelt wurde. Der russische Einzelhandelssektor gilt inzwischen als einer der lukrativsten der Welt.

Hinter dem steilen Anstieg der russischen Liquidität stehen an erster Stelle die üppigen Einnahmen aus den Exporten von Rohstoffen – vor allem Öl und Gas. Der staatliche Stabilisierungsfonds, in den alle Steuern und Zölle aus dem Öl-Export ab einer Schwelle von 27 Dollar für ein Barrel (159 Liter) fließen, dürfte in diesem Jahr um 30 Mrd. auf ein Volumen von 74 Mrd. Dollar klettern.

Doch nach wie vor könnte sich der Rohstoffsegen für das Land aber auch in einen Fluch verwandeln. Der Kreml hat die Überschüsse bisher nicht ausreichend in rentable Investitionen lenken können: Es fehlt an einer klaren wirtschaftspolitischen Linie. Das macht sich bei der Wettbewerbsfähigkeit Russlands bemerkbar. Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums büßte Russland in diesem Jahr Plätze ein. „Während sich andere Länder schneller entwickeln, fällt Russland zurück“, urteilen die Experten und machen dabei bekannte Faktoren verantwortlich: schwache Institutionen, die Günstlingswirtschaft in der überbordenden Bürokratie und unethisches Geschäftsverhalten.

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