Rolle des Iraks ist umstritten
USA ändern Kurs im Anti-Terror-Kampf

Knapp vier Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plant die US-Regierung einen Kurswechsel im Kampf gegen den Terrorismus. Der Schwerpunkt solle sich von der Gefangennahme und Tötung von Führungsmitgliedern des Terrornetzwerkes El Kaida auf eine breitere „Strategie gegen den gewaltsamen Extremismus“ verlagern, berichtete die „Washington Post“ am Sonntag.

HB WASHINGTON. Was darunter genau zu verstehen ist, bleibt allerdings unklar. Nach Angaben von Insidern gibt es in der Regierung Diskussionen darüber, wie zentral der Irak in der Kampagne gegen den Terror sei. Darüber hinaus werde debattiert, inwieweit dem muslimischen Extremismus mit politischen Initiativen sowie mit einem Kampf um die Herzen der Araber das Wasser abgegraben werden könne.

Die Überprüfung der Strategie wird von Experten auch als Eingeständnis gewertet, dass die Regierung das Terror-Problem bislang nicht in den Griff bekommen hat. Präsident George W. Bush hatte in seiner Direktive vom Oktober 2001 den US-Bürgern die „Beseitigung des Terrorismus als Gefahr für unser Leben“ versprochen. Diese Direktive soll nun unter der Federführung von Bushs Anti-Terror-Beraterin Frances Townsend überarbeitet werden.

Mit dem Kurswechsel soll nach Angaben des Blattes der Wandlung von El Kaida zu einer mehr formlosen, diffusen und schwierig zu fassenden Organisation Rechnung getragen werden. „Der Feind hat sich angepasst“, wurde Townsend zitiert. „Wenn man einen Khalid Scheich Mohammed fängt, folgt ein Abu Farradsch nach. Die Natur verabscheut ein Vakuum.“ Ein Großteil der Diskussion konzentriere sich darauf, wie man mit der neuen Generation von Terroristen umgehen solle, die in den vergangenen Jahren im Irak ausgebildet worden seien, hieß es in Washington.

Sorge bereite, dass Tausende von Terroristen aus dem Irak in ihre Heimatländer im Nahen Osten oder in Westeuropa zurückkehren könnten. „Wenn man schon nicht weiß, wer sie im Irak sind, wie wird man sie dann in Istanbul oder London aufspüren können?“, gibt ein hochrangiger Regierungsbeamter zu bedenken. Weitere Schwerpunkte seien die Zerschlagung von Finanznetzwerken der Terroristen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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