Romneys Kandidatenkür
Mission erfüllt

Der Imagewechsel ist gelungen. Mitt Romney kam als hölzerner Technokrat zum Parteitag. Er verlässt ihn als Problemlöser mit Herz. Wichtiger aber ist: Er hat die zerstrittene Partei vereint. Doch der Preis dafür ist hoch.
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Tampa„Es ist Zeit, das Versprechen Amerikas zurückzubringen“ – spätestens, als Mitt Romney diesen Satz sagte, gab es in der Halle kein Halten mehr. Die Delegierten sprangen auf, kreischten, wedelten mit „Mitt“-Transparenten herum. Auch die Gruppe aus Texas, allesamt in dunkle Sakkos und weiße Cowboyhüte gekleidet, riss es aus ihren Sitzen. „U-S-A! U-S-A“, schallte es mehrmals durch das Stadion. Konfetti, Luftballons, Musik.

Romneys kämpferische Rede am Donnerstagabend war der Höhepunkt des Republikaner-Parteitags in Tampa. Und die Delegierten feierten ihren Präsidentschaftskandidaten, als hätten sie sich von Anfang an niemand anderes als ihn gewünscht.

Die Partei hat sich erstaunlich schnell gefangen. Vergessen scheinen für einen Moment all die blutigen Grabenkämpfe, die die tief gespaltenen Republikaner noch in den Vorwahlen ausgetragen hatten. Als liberalen Ostküsten-Snob hatte der konservative Flügel Romney beschimpft, weil er als Gouverneur von Massachusetts eine staatliche Krankversicherung aufgezogen hatte. Einen gierigen Kapitalisten nannten sie ihn, weil er als Chef eines Finanzinvestors Firmen ruiniert habe und damit reich wurde. Und ein Wendehals sei er gewesen, der keine Meinung habe.

Von solchen Gemeinheiten war in den drei Tagen in Tampa nichts mehr zu hören. Der Parteitag hat den Graben erst einmal zugeschüttet. Selbst die rauflustige Tea Party benahm sich und gab dem Pragmatiker Romney, dem Kandidaten des Partei-Establishments, ihren Segen. Das gemeinsame Ziel ist wichtiger: Präsident Barack Obama muss abgewählt werden.

Das ist nun Romneys Erfolg, den er aus Tampa mitnimmt: Die Partei steht hinter ihm. Allerdings zu einem hohen Preis. Denn nicht die Konservativen sind auf ihn zugegangen – es war Romney, der ihnen Zugeständnisse machte und weiter nach rechts rückte, als er eigentlich steht. Mit der Nominierung des Hardliners Paul Ryan zum Kandidaten für die Vizepräsidentschaft trieb es Romney dann auf die Spitze. Und Marco Rubio, ein weiterer Star der Tea Party, durfte die Ankündigung für Romneys Rede halten.

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Kurs mit hohem Risiko

Kommentare zu " Romneys Kandidatenkür: Mission erfüllt"

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  • Drei Dinge werden bei der Wahl von Herrn Romney entscheidend sein Er muss darauf hoffen, dass viele junge Wähler, in der Mehrzahl junge Latinos, die Herrn Obama vor 4 Jahren wählten, nicht zur Wahl gehen. Das nächste Kriterium wäre das Verbessern seines Images. Denn für viele Amerikaner fehlt ihm die Erdung zur Bevölkerung und seine Auftritte wirken wenig herzlich, sondern eher hölzern, als inszenierte Show. Als letztes muss er die Amerikaner davon überzeugen, dass der gewaltige Schuldenberg, der in der Folge der Kriege und der Finanzkrise unter Bush entstand, allein der falschen Politik von Herrn Obama zuzuordnen ist. Aber das wäre Geschichtsklitterung und viele Amerikaner wird er nicht überzeugen können.

  • Klasse Auftritt von Clint Eastwood auf dem Republikaner-Parteitag in Tampa, siehe youtube-video:

    http://www.youtube.com/watch?v=933hKyKNPFQ

    Und das FTD hat Clint Eastwood auch gelobt, Mitt Romney zu unterstützen, im Gegensatz zur furchtbar Obama-treuen-"System-Presse in Deutschland":

    http://www.ftd.de/politik/international/:romney-nominierung-auf-parteitag-eastwood-begeistert-republikaner-mit-obama-sketch/70083875.html

    Mitt Romney for president.

  • "Wir machen *Nordamerika* bis 2020 von Energieimporten unabhängig [mit Gas, Öl, Kohle usw.]." Damit spielt er ganz wesentlich auf die kanadischen Ölsand-Vorkommen an, die bekanntlich das umweltschädlichste Öl überhaupt liefern...
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    Wenn die Republikaner an die Macht kommen, sind die letzten Naturrefugien der USA dem Untergang geweiht, denn dann wird 100%ig auch in den sensibelsten Ökotopen nach Bodenschätzen geschürft und nach Öl gebohrt werden. Die werden brutal und rücksichslos ALLES vernichten, was sich dem heiligen Dollar in den Weg stellt, genauso, wie sie es vor 150 Jahren mit den Bisons und den First Nations gemacht haben.
    Wer Kostproben will, wie Republikaner wüten, wenn es um Dollars geht, sollte sich einfach mal den Vernichtungsfeldzug Idahos gegen die Wölfe anschauen: Hier soll eine ganze Art am liebsten ausgelöscht werden, weil sie die Rancherlobby etwas Profit kostet: Da werden trächtige Wölfinnen vom Heli aus abgeknallt und Welpen in ihren Höhlen vergast...
    (Einfach mal googlen nach "Lolozone" und "Wolf"
    Wie mag es erst aussehen, wenn es um die Ernergieunabhängigkeit der USA geht und nicht nur um Rindviecher? Eine Horrorvorstellung für jeden, der in der Natur mehr sieht als nur einen Rohstofflieferanten...

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