Ron Paul
Der Notenbanken-Jäger

Am Freitag rückt Ron Paul der Erfüllung seines Lebenstraums ein Stück näher: Der Finanzausschuss des Kongresses berät das Gesetz des 74-Jährigen, kernigen texanischen Abgeordneten zur vollständigen Überprüfung der allmächtigen US-Notenbank Fed und ihrer Geldpolitik. Und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass Paul sich durchsetzt.

NEW YORK. "Das ist ein erster Schritt", sagt der Vater von fünf Kindern, der seit Anfang der 70er Jahre für eine Abschaffung der Notenbank und die Rückkehr des Landes zu einer mit Gold gedeckten Währung kämpft. Denn für ihn sind die Federal Reserve Bank und ihre Gelddruckmaschine Instrumente in der Hand des Ostküstenestablishments zur Entrechtung und Enteignung des freien amerikanischen Bürgers. Inzwischen werden seine Thesen zunehmend populär.

Paul, sein Gesetz und sein vergangene Woche erschienener Bestseller "End the Fed" profitieren vom Unmut großer Teile der Bevölkerung über die Billionen Dollar, die die Fed ohne direkte Parlamentskontrolle zur Rettung "ihrer Freunde von der Wall Street" in die Banken gepumpt habe. "Selbst die CIA ist dem Parlament gegenüber zu mehr Rechenschaft verpflichtet", schimpft er in dem Buch.

Anders als die Mehrheit der ihn im Parlament stützenden Koalition aus Populisten, frustrierten Republikanern und um ihren Parlamentssitz fürchtenden Demokraten, will Paul nicht nur wissen, welcher Bank Fed-Chef Ben Bernanke in der Krise Geld geliehen hat. Er will den Sturz des wegen seines Schweigens von ihm als "arrogant" beschimpften Notenbankers und der ganzen Institution.

Es geht ums Prinzip. Die Fed, die 1913 aus seiner Sicht von einer Koalition aus Finanzmanagern und Industriemagnaten um JP Morgan und John Rockefeller sowie dem politischen Establishment in Washington gegründete wurde, sei nicht nur verfassungswidrig, schreibt er in seinem Buch, sondern sei als Gelddruckmaschine immer dann zur Konjunktursteuerung genutzt worden, wenn die Beteiligten selber damit Geld verdienen konnten. Die Politik erfülle sich damit regelmäßig den Wunsch nach größeren Budgets, mehr Macht und mehr Geld zur Kriegsführung sowie zur Bedienung der Wahlkampfunterstützer.

Jüngstes Beispiel seien das Konjunkturprogramm und die Gesundheitsreform von Barack Obama. "Am Ende haben alle etwas bekommen: Die Wall Street, die Banken, sowie der militärisch-industrielle und der medizinisch-industrielle Komplex", schreibt er. Dies gehe zu Lasten des ehrlicher Sparers, dem die Inflation das sauer verdiente Geld entwerte. Den Wert von Inflation als politischer Waffe hätten schon die Marxisten und die Faschisten in Europa gekannt.

Pauls Gegenmittel ist die Rückkehr zur Golddeckung des Dollar und die Abschaffung der Gelddruckmaschine. Banken sollen nur noch mit geliehenem Geld und nicht mehr mit Einlagen arbeiten dürfen. Inflation und Kredit finanzierte Konjunkturblasen seien damit unmöglich.

Sein Feldzug währt Jahrzehnte: Als Präsident Richard Nixon 1971 den Goldstandard abschaffte, war dies für den Mediziner das Signal, in die Politik einzusteigen. Seither stimmte er mit "Nein" gegen alle Gesetze, für die es seiner Meinung nach keine Verfassungsgrundlage gibt. "Dr. No" war der einzige republikanische Abgeordnete, der 2002 gegen den Irakkrieg stimmte. Auch der Rückzug der USA aus Nato und der UN gehören zu seinem Programm.

Trotz seiner teilweise verworrenen Verschwörungstheorien wächst die Zahl der Leser und Unterstützer, die in Anspielung auf den US-Unabhängigkeitskampf zu Tausenden auf "Tea Parties" demonstrieren. Die Wirtschaftskrise lasse die Wähler endlich seine Thesen verstehen, triumphiert er: "Schmerz bringt viele Menschen ins Auditorium."

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