Rousseff im Korruptionsskandal
Millionen protestieren gegen Brasiliens Präsidentin

Der Protest gegen Brasiliens Präsidentin Rousseff wächst: Über drei Millionen Bürger gingen in 200 Städten auf die Straßen, um für eine Amtsenthebung zu protestieren. Ihr Unmut trifft aber nicht nur das Staatsoberhaupt.

BrasiliaBis zu drei Millionen Menschen haben wegen der tiefen Krise in Brasilien in 200 Städten des Landes für eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Das Portal „O Globo“ berichtete unter Verweis auf Polizeiangaben von entsprechenden Schätzungen – das wären die bisher größten Protestkundgebungen gegen die Präsidentin der linken Arbeiterpartei. Sie genießt nur noch zehn Prozent Zustimmung.

Allein in São Paulo protestierte bei der bisher größten Demonstration hier überhaupt mindestens eine halbe Million Menschen auf der Avenida Paulista, andere Schätzungen sprachen sogar von über einer Million. In der Hauptstadt Brasília waren es 100.000 und laut Organisatoren mehrere hunderttausend in Rio de Janeiro. Auch in Curitiba (160.000), Fortaleza (150.000) und Recife (120.000) gab es laut Medienberichten einen großen Zulauf. Rousseff (68) ist bis Ende 2018 gewählt.

Wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Rio (5.-21. August) ist die Stimmung im fünftgrößten Land der Welt aufgeheizt, die Regierung kaum noch handlungsfähig. „Fora Dilma“ - „Dilma raus“, skandierten die Menschen. Anlass ist ein milliardenschwerer Korruptionsskandal.

Den für die Ermittlungen zuständigen Richter Sérgio Moro feierten viele Demonstranten, die in den Landesfarben grün, gelb, blau die Straßen säumten, immer wieder wurde die Nationalhymne intoniert. Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet, den ganzen Sonntag über fanden in rund 200 Städten Kundgebungen statt.

Allein gegen 57 Politiker wird mittlerweile in der sogenannten Operation „Lava Jato“ (Auto-Wäsche) ermittelt. Dabei geht es um jahrelange Schmiergeldzahlungen an Politiker bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras an Bauunternehmen, zum Beispiel für den Bau einer Bohrplattform. Gegen Rousseffs Amtsvorgänger und Förderer Luiz Inácio Lula da Silva laufen mehrere Verfahren, er bestreitet alle Vorwürfe. Ihm droht Untersuchungshaft und ein Prozess wegen Ungereimtheiten bei einem Luxus-Apartment an der Atlantikküste, die Ankläger vermuten Geldwäsche und die Verschleierung von Vermögen.

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„Natürlich will ich, dass Rousseff rausgeschmissen wird“

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