Rückendeckung für Putin von Weltbank
Oligarchen bremsen Russlands Wachstum

Im Kampf gegen die mächtigen Großunternehmer erhält Russlands Präsident Wladimir Putin Unterstützung durch eine gestern veröffentlichte Studie der Weltbank. „Die Oligarchen bremsen den Wettbewerb“, sagte der für die Untersuchung zuständige Russland- Chefökonom Christof Rühl. Im Interesse eines höheren Wirtschaftswachstums sollte Russland die Wettbewerbskontrolle verschärfen, empfiehlt der Volkswirt.

MOSKAU. Seit der frühere Chef und Großaktionär des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowskij, dem Steuerhinterziehung und Betrug vorgeworfen werden, im Oktober in Untersuchungshaft genommen wurde, diskutiert Russland über den Umgang mit den Wirtschaftslenkern. Putin will sie möglichst weitgehend von der politischen Macht fern halten. Andere Politiker verlangen sogar eine Überprüfung der skandalumwitterten Privatisierungen der neunziger Jahre, durch die viele der Oligarchen zu ihrem Reichtum gekommen sind. Auch Chodorkowskij stellt die Privatisierungen inzwischen in Frage: In einem im Gefängnis verfassten Artikel rief er die Wirtschaftsbosse auf, den erworbenen Reichtum mit der Bevölkerung zu teilen. Und der Aluminium-Oligarch Oleg Deripaska schlug vor, Privatisierungserlöse mit 80 % zu besteuern.

Im Jahr 2001 machten nach der Weltbank-Studie 23 Finanz- und Industriegruppen zusammen 1,7 Bill. Rubel (60,4 Mrd. Euro) Umsatz. In ihren Unternehmen arbeitete ein Sechstel aller Beschäftigten des 145 Millionen Einwohner zählenden Landes. Die Auswertung, die die 1300 größten Firmen des Landes einbezieht, lässt allerdings Giganten wie den Strommonopolisten UES und den Gasriesen Gazprom außen vor und ist damit nur begrenzt aussagefähig. Laut Weltbank war vor drei Jahren Wagit Alekperow, der Chef des Ölkonzerns Lukoil, der mächtigste Oligarch. In der „Forbes“-Liste der reichsten Russen liegt er allerdings nur auf Platz zehn. Gefolgt wird er von Roman Abramowitsch, dem Besitzer des Erdölförderers Sibneft und des Londoner Fußballklubs FC Chelsea. Chodorkowskij, bei „Forbes“ an erster Stelle, landet im Weltbank-Ranking nur auf Platz fünf.

Die Eigentümerstrukturen in Russland seien hoch konzentriert, vor allem in den für das Land besonders wichtigen Rohstoffsektoren, nicht aber bei Banken oder im Baugewerbe, heißt es in der Studie. Einzelne Branchen wie die Tabak-, die Haushaltschemie- oder die Softdrinkindustrie liegen mittlerweile in den Händen ausländischer Investoren. Doch 25 % des russischen Industrieumsatzes erwirtschaften immer noch staatliche Unternehmen.

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