Rückkehr in den Irak weiter offen
Osthoff macht Sarkawi verantwortlich

Hinter der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff hat nach ihrer Aussage eine Gruppierung des jordanischen Topterroristen Abu Mussab el Sarkawi gesteckt. Gleichzeitig bestätigte die 43-Jährige, dass es sich bei ihrer Verschleppung um einen "Verkauf" gehandelt habe.

HB BERLIN. BERLIN. Das sagte die vor anderthalb Wochen freigelassene 43-Jährige in einem ZDF-Interview, das am Mittwochabend in Teilen ausgestrahlt und unter www.heute.de in voller Länge im Internet veröffentlicht wurde. Auf die Frage, ob sie gewusst habe, wer ihre Entführer im Irak gewesen seien, antwortete Osthoff: „Ich wurde ganz korrekt informiert, um wen es sich handelt. Nämlich eine Gruppierung der Gruppierung Abu Mussab el Sarkawi.“ Der Jordanier soll hinter zahlreichen blutigen Anschlägen des Terrornetzes El Kaida vor allem im Irak stecken. Er wird von Interpol mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Zu der Bedrohung während ihrer gut dreiwöchigen Entführung sagte Osthoff: „Da hat man gar kein Gefühl mehr, weil man nämlich ständig kurz vor dem Tod steht.“ Sie sei „teilweise gefesselt“ gewesen. „Wenn es in Arabien keine Gnade gäbe, wäre ich im Kofferraum (des Autos ihrer Entführer) nach einer Stunde schon eliminiert worden und dann in den Kanal daneben reingeschmissen worden“, berichtete die Ex-Geisel. Bei ihrer Entführung habe es sich um einen „Verkauf“ gehandelt. Details dazu nannte sie nicht.

Nach Handelsblatt-Informationen aus ZDF-Kreisen hatte der Sender zunächst erwogen, das Interview aus „Rücksicht auf Osthoff“ nicht zu senden. Die Archäologin, die völlig verschleiert in einem Studio des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira in Doha saß, habe einen verwirrten Eindruck gemacht. Sie habe sich mehrmals nach einer Plastiktüte gebückt, um Gegenstände der Entführung in die Kamera zu halten. „Zudem berichtete sie von Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit ihrer Entführung, die keinen Sinn ergaben“, hieß es. Zum Schluss des Gesprächs habe sie darauf bestanden, Altkanzler Gerhard Schröder für seine Hilfe zu danken.

Im ZDF-Interview äußerte Osthoff sich nicht klar, ob sie in den Irak zurückkehren wollte. Spekulationen darüber hatten am Dienstag für Wirbel und heftige Reaktionen des Auswärtigen Amtes gesorgt. Zur Frage, was sie als nächstes tun wolle, antwortete Osthoff: „Das steht nicht zur Debatte. (...) Ich kann nicht so handeln wie ich will. Verstehen Sie, da gibt es nicht viele Möglichkeiten, und da kann ich eigentlich gar nichts dazu sagen.“ Auf die Nachfrage, ob sie in den Irak zurückkehre oder nach ihrem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira falsch zitiert worden sei, sagte sie: „Diese Frage wurde nicht einmal gestellt. Wir kamen nicht auf so einen privaten Pipifax (...) Es ist eine komplette Lüge.“ Eine „so doofe“ Frage sei ihr von den Arabern noch nie gestellt worden.

Das von Bundestagsabgeordneten von Union und SPD ins Gespräch gebrachte Einreiseverbot der irakischen Regierung für Osthoff stieß am Mittwoch auf Kritik von Politikern der Opposition. Werner Hoyer, außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, forderte stattdessen, die Reisehinweise für Touristen in Risikogebiete zu präzisieren: „Jedem muss bei einer Entführung klar sein – konsularische Hilfe ja, aber für Kosten wirst du in Haftung genommen, wenn du die Hinweise nicht befolgst“, sagte er dem Handelsblatt.

Die SPD-Politikerin Brunhilde Irber hatte erklärt, man müsse prüfen, „ob die Bundesregierung den Irak um ein Einreiseverbot für Frau Osthoff bitten kann“. Ähnlich äußerte sich der CSU-Abgeordnete Norbert Geis. Hoyer sagte dagegen, Osthoff müsse „trotz aller Bedenken frei ihren Lebensmittelpunkt bestimmen können“. Das Auswärtige Amt verhalte sich zur Frage eines Einreiseverbots „völlig neutral“, so ein Sprecher. Es sei das „souveräne Recht eines jeden Landes, Bürgern anderer Länder die Einreise zu erlauben“.

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